Wirtschaft : Halbleiterbranche: Dieses Jahr kein Wachstum

fmk

Die Aussichten für den Halbleiter-Markt sind im laufenden Jahr düsterer als erwartet. Wie einer der führenden kalifornischen Marktforscher, die VLSI-Research-Gruppe, am Montag in San Jose voraussagte, wächst der Markt für Prozessoren im Jahr 2001 nur noch um etwa 1,2 Prozent. Bisher hatte VLSI für 2001 ein Wachstum bei Halbleitern um etwa fünf Prozent vorhergesagt.

Erst vor kurzem hatte die "Semiconductor Industry of America", als Branchenverband der US-Halbleiterindustrie ihrerseits die Erwartungen von 22 auf 17 Prozent zurückgeschraubt. Im Jahr 2000 war der Markt für Halbleiter gegenüber 1999 um 36 Prozent gewachsen. VLSI Research begründet die Vorhersagen mit einer sich deutlicher als bisher abkühlenden Weltkonjunktur, die viele Firmen ihre PC- und damit ihre Prozessoren-Einkäufe zurückstellen lässt.

Der Markt für Computer, Hauptabsatzkanal von Halbleitern, bricht zur Zeit in den USA ein. Der weltweit größte Chip- und Computerhersteller Texas Instruments hat seine Umsatzprognosen am Montag zum zweiten Mal innerhalb von zwei Monaten herabgesetzt. Er erwartet für das erste Quartal Erlöse, die 20 Prozent unter denen des ersten Quartals 2000 liegen. Im Januar hat Texas Instruments die Erwartungen an den Gewinn bereits um zehn Prozent verringert. Begründung des Konzerns: die schwache US-Konjunktur. Die Branchengrößen im PC-Geschäft Sun Microsystems, Dell und Hewlett-Packard mussten in diesem Monat bereits ihre Absatzerwartungen nach unten schrauben. Sun, Hersteller vor allem von Servern für das Internet, hatte vergangene Woche bekannt gegeben, dass der Gewinn 2001 deutlich unter den Erwartungen der Analysten liegen werde.

Mit dem weltweiten Handy-Absatz kränkelt ein großer Anwendungsbereich von Mikrochips. Mehrere Investmentbanken haben ihre Prognosen für die weltweite Auslieferung von Handys im Jahr 2001 herabgesetzt. Die Deutsche Bank reduzierte ihre Prognose auf 490 Millionen verkaufte Handys. Zuvor war sie von 531 Millionen ausgegangen. Die Prognose von Goldman Sachs fiel mit 460 Millionen Telefonen am niedrigsten aus.Auch der Mikrochip- und Handyhersteller Motorola geht davon aus, 2001 deutlich weniger Handys verkaufen zu können. Weltweit könnten nur 500 Millionen Geräte statt - nach bisheriger Schätzung - bis zu 575 Millionen verkauft werden. Das Unternehmen bezweifelt inzwischen auch, dass sich mit dem Mobilfunk der dritten Generation so viel Geld verdienen lässt wie erwartet. Der Technologiekonzern hat bereits 10 000 Arbeitspläte abgebaut, seit der Rückgang einsetzte. Zuletzt hatte Motorola bekannt gegeben, die Rezession in den USA beeinflusse nun auch Europa. Dort seien die Verkaufszahlen von Halbleitern im freien Fall. Die Mikrochipsparte könne im ersten Quartal 2001 Verlust machen.

Von dem Chiphersteller Intel hieß es, die Probleme der Funknetzanbieter könnten sich verschärfen, da Übertragungsstandards fehlten. Intel hat Interesse daran, dass der Markt für Telefondienste mit dem neuen Standard UMTS sich entwickelt: der weltgrößte Halbleiterproduzent will führender Zulieferer für die Telekom-Branche werden. Intel bezweifelt nun, dass UMTS-Telefone wie geplant zu Alltagsgeräten werden.

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