Haltung zahlt sich aus : Weniger Umsatzsteuer für Currywurst im Stehen

Wer seine Currywurst, Buletten oder Pommes an "behelfsmäßigen Verzehrvorrichtungen" isst, zahlt weniger Umsatzsteuer. Speist der Gast im Stehen werden nur sieben Prozent Umsatzsteuer berechnet.

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Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei. Und zwei Steuersätze, wie das oberste Finanzgericht nun entschieden hat.
Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei. Und zwei Steuersätze, wie das oberste Finanzgericht nun entschieden hat.

Ob Schauspieler Jürgen Vogel, MTV-Moderator Patrice oder DJ Paul van Dyk: Lieber stehen diese Herren nach eigenen Angaben an einem der Imbisstische bei „Fritz & Co“ in Berlin-Schöneberg, als dass sie ihre Currywurst im Sitzen verzehren.

Diese Haltung zahlt sich aus, entschied der Bundesfinanzhof (BFH) am Mittwoch. Wer seine Currywurst, Buletten oder Pommes an „behelfsmäßigen Verzehrvorrichtungen“ isst, zahlt weniger Umsatzsteuer. Speist der Gast im Stehen oder von Ablagebrettern, werden nur sieben Prozent Umsatzsteuer berechnet, 19 Prozent, wenn an der Bude zusätzlich Tische und Stühle bereitgestellt werden. Wurst ist eben nicht gleich Wurst.

Mit dem Urteil habe man die seit langem umstrittene Höhe der Umsatzsteuer auf Speisen an Imbissständen vereinfacht, teilt der Bundesfinanzhof mit. Die neuen Kriterien würden dem früheren Streit um die steuerrechtliche Beurteilung der Bedeutung und Größe von Verzehrtheken ein Ende setzen. Aber so einfach wird es dann doch nicht überall sein. Denn mancher Imbiss hat ja beides: Stuhl und Ablagebrett. „Curry 195“ am Ku’damm in Berlin, zum Beispiel, ist ein Stehrestaurant mit Imbisstischen – und vier Barhockern. Soll sich der Gast also setzen oder die Wurst doch lieber im Stehen verzehren? Und überhaupt: Steht oder sitzt man auf einem Barhocker? Fragen bleiben.

Bald könnte es wie bei McDonald’s ablaufen, wo der Knopfdruck an der Kasse entscheidet, wie viel Umsatzsteuer ein Gast zahlt. Das wiederum könnte dann zu neuen Problemen führen: Es soll ja schon vorgekommen sein, dass in einigen Filialen die Mitarbeiter angewiesen wurden, auch dann die Außer-Haus-Taste zu drücken, wenn der Kunde Burger und Pommes vor Ort verspeiste. Das ließ sich aber bisher nie beweisen.

Das Urteil ist zwar gesprochen, zugleich eröffnete der BFH den Budenbesitzern aber noch ein Schlupfloch: Sparen ist nämlich auch mit „Verzehrvorrichtungen Dritter“ möglich, also etwa Tische und Bänke eines Standnachbarn. Gut vorstellbar, dass mancher Imbissbesitzer nun seine Stühle dem Sonnenstudio von nebenan überschreibt – in der Hoffnung, dass es das Finanzamt nicht merkt

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