Wirtschaft : Hambrecht geht, Bock kommt

Der Chemiekonzern BASF bekommt eine neue Führungsspitze

Ein Trikot von Jürgen Hambrecht (l.) für den neuen BASF-Chef Kurt Bock. Foto: dpa
Ein Trikot von Jürgen Hambrecht (l.) für den neuen BASF-Chef Kurt Bock. Foto: dpaFoto: dpa

Mannheim/Ludwigshafen - Große Gefühle sind bei der BASF eher selten. „Ich bitte alle Beteiligten, auf Emotionalität zu verzichten“, appelliert der Aufsichtsratschef des Chemiekonzerns, Eggert Voscherau, vor der Fragerunde auf der Hauptversammlung an die rund 6500 Aktionäre. „Auch wir hier oben werden uns bemühen“, schiebt er mit Blick auf das Podium nach. Für Vorstandschef Jürgen Hambrecht ist es der letzte Tag auf dem Posten. Der 64-Jährige verabschiedet sich nach acht Jahren an der Spitze in den – vorläufigen – Ruhestand.

Seinem Nachfolger Kurt Bock hat Hambrecht eine hohe Messlatte aufgelegt. In den acht Jahren unter seiner Führung verdoppelte der weltgrößte Chemiekonzern den Umsatz und verdreifachte den Netto-Gewinn. Hambrecht wirbt bei den Aktionären um Vertrauen für Bock, den bisherigen Finanzvorstand, und die neuen Vorstände. „Glauben Sie mir: Sie haben es verdient.“

Für Bock, den begeisterten Läufer, gibt es zum Start ein BASF-Trikot mit der Nummer eins. Bock, der als versierter Analytiker gilt, ist erst der zweite Mann ohne naturwissenschaftliche Ausbildung an der Konzernspitze. Und Analysten sehen darin kein Manko, im Gegenteil: Seine finanziellen Detailkenntnisse werden positiv registriert. Auch Kennzahlen, die weniger im Blick stehen, kennt er bei Konferenzen häufig bis in die Nachkommastelle genau. Als Bock Ende Mai 2010 das Rennen um die Nachfolge gewann, reagierte der Aktienkurs positiv.

Acht Jahre saß der dreifache Familienvater bereits im Vorstand des Ludwigshafener Traditionsunternehmens. Nun führt er einen der wenigen unangefochtenen Branchenführer, den Deutschland hat. Der Kontrast zu seinem Vorgänger könnte nicht größer sein: War der Schwabe Jürgen Hambrecht auch in Medien und Politik stets eine hörbare Stimme, muss sich der Ostwestfale Bock mit seinem unterkühlten Humor das öffentliche Parkett abseits von Analysten- und Investorenveranstaltungen erst noch erobern.

Kein großes Trara wird auf der Hauptversammlung in Mannheim um eine zweite, tatsächlich historische Personalie gemacht. Mit der früheren Bahn-Managerin Margret Suckale zieht an diesem Tag erstmals in der Geschichte des Unternehmens eine Frau in den Vorstand ein. Damit erfüllt sich zum Ende der Ära Hambrecht eine Forderung, die Aktionäre Jahr für Jahr wieder auf der Hauptversammlung vorgetragen hatten.dpa/rtr

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