Wirtschaft : Hamburger kaufen Pharmafirma in den USA

Evotec stemmt Übernahme im Wert von 110 Millionen Euro. Eine Notierung an der Wall Street ist geplant

Berlin - Das Hamburger Biotech-Unternehmen Evotec will für knapp 152 Millionen Dollar (110 Millionen Euro) die kalifornische Pharmafirma Renovis kaufen – und damit seine Medikamentenforschung ausbauen. „Durch den Kauf verstärken wir unsere Entwicklung dort, wo wir nicht so stark sind“, sagt Evotec-Vorstandschef Jörg Aldag dem Tagesspiegel. 70 Prozent des Biotech-Marktes spielten sich heute in den USA ab, sagte der Manager. Er plant auch eine US-Börsennotierung, um für US-Investoren attraktiver zu werden und mögliche künftige Transaktionen einfacher abwickeln zu können.

Der transatlantische Zukauf ist Indiz für ein wachsendes Selbstbewusstsein der deutschen Biotechfirmen, die nach dem Börsencrash im Jahr 2000 in eine Krise gerutscht waren. „Die Unternehmen schauen wieder nach vorn“, sagt Julia Schüler von der Unternehmensberatung Ernst & Young. Erst im Juni hatte das deutsch-niederländische Biotech-Unternehmen Qiagen für 1,6 Milliarden Dollar US-Konkurrenten Digene gekauft. Im Vorjahr verleibte sich Medigene die britische Avidex ein.

Mit dem Zukauf verfolgt Evotec das Ziel, sich von einem reinen Dienstleister zu einem weltweit tätigen Pharmaunternehmen zu wandeln. Dass Renovis im ersten Halbjahr nur sieben Millionen Euro Umsatz verbuchte, wird dadurch relativiert, dass das US-Unternehmen neben mehreren Wirkstoffkandidaten zur Behandlung von Schmerzen und Entzündungskrankheiten auch einen hohen Barbestand von 87 Millionen Dollar in die Partnerschaft einbringt. Das senkt de facto den Kaufpreis von 152 Millionen Dollar, den Evotec im Zuge eines Aktientauschs begleichen will.

Der Kurs der Evotec-Aktie legte zunächst um mehr als drei Prozent zu, drehte später aber und schloss mit minus 4,4 Prozent bei 3,05 Euro. Grund waren vermutlich Gewinnmitnahmen.pet

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