Hamster-Roboter : Nager erobern Kinderzimmer

In den USA und in Großbritannien stehen kleine Hamster-Roboter bereits ganz vorn auf der Wunschliste.

Heike Jahberg
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Überflieger. In Deutschland kommen die Helden aus dem Film „G-Force – Agenten mit Biss“ bei den Kindern gut an. Foto: Mike Wolff

Berlin - Sie heißen Mr. Squiggles, Patches, Chunk, Pipsqueak und Num Nums, und sie treiben Millionen von Eltern in den Wahnsinn. In den USA und in Großbritannien stehen die kleinen Roboter- Hamster auf nahezu jedem Wunschzettel der Kinder. Doch in vielen Fällen wird der Wunsch unerfüllt bleiben: Die „Go Go Pets“, wie sie in England heißen, oder die „Zhu Zhu Pets“, wie sie die Amerikaner nennen, sind fast überall ausverkauft. Die Regale sind leer. Neue Ware wird den Verkäufern aus den Händen gerissen, egal ob diesseits oder jenseits des Atlantiks. Längst hat ein lebhafter Handel auf Ebay eingesetzt. Dort werden die Plüschtiere, die in den USA rund zehn Dollar, in England zehn Pfund kosten, bereits für den doppelten Preis verkauft.

„Sie riechen nicht, sie machen keinen Dreck, und sie sterben nicht frühzeitig“, heißt es auf der Vertriebsseite „Go Go Hamsters“ im Internet. Damit seien sie den lebendigen Nagern überlegen. Doch anders als normale Kuscheltiere haben die interaktiven, batteriebetriebenen kleinen Fellbüschel ein Eigenleben. Computergesteuert wuseln sie entweder durch den Raum oder kuscheln, leise vor sich hin quiekend, mit ihren zweibeinigen Besitzern. Haben die Eltern auch noch das nötige Equipment besorgt, können die Hamster sogar Skateboard und Auto fahren oder durch Röhren huschen.

Doch bis sie die Vollaustattung zusammen haben, müssen die Eltern viel Zeit und Nerven investieren. Tami Megal aus Melville, New York, Mutter zweier kleiner Mädchen, war fünf Mal bei Toys R Us, bis sie endlich zwei Hamster ergattern konnte. Jetzt versucht sie, ein Auto, eine Tragetasche und ein Bettchen aufzutreiben. „Es hat keinen Sinn, nur die Hamster zu kaufen“, erzählte die 36-Jährige einem Reporter der Nachrichtenagentur AP, der sie beim Shoppen traf. „Du brauchst auch die Accessoires.“ Und damit geht der Stress von vorne los.

Dass seine Hamster an die Erfolge der Furbys oder der Teenage Mutant Ninja Turtles anknüpfen würden, hatte der Hersteller Cepia nämlich nicht erwartet. Das kleine Unternehmen, das in St. Louis sitzt, hatte viel zu wenige Tiere produziert. Firmenchef Russell Hornsby, der vorher batteriebetriebene Spritzsysteme für Haus und Garten angeboten hatte, wurde von der großen Nachfrage überrascht. Und die ist wirklich enorm. In Großbritannien wurden bereits 700 000 Tierchen samt Zubehör verkauft, weltweit rechnet Hornsby mit einem Umsatz von 400 Millionen Dollar in den nächsten zwölf Monaten. Nun will er expandieren: „Wir werden auch Backenhörnchen, Eichhörnchen, Igel und Kaninchen auf den Markt bringen“, sagte Hornsby unlängst der „Financial Times“.

In Deutschland gibt es die Roboterhamster bisher nicht zu kaufen. Noch nicht. Hierzulande werden die Nager wahrscheinlich im ersten Quartal kommenden Jahres als „Zhu Zhu Pets“ in den Handel kommen, sagt Davina Nowak von Toys R Us. Werbespots sind bereits für März auf Nick und Super RTL geplant. Doch nicht alle glauben daran, dass die „Go Gos“ oder „Zhu Zhus“ in Deutschland ein Verkaufsschlager werden. „Was in den USA oder in Großbritannien gut geht, muss nicht auch bei uns gut laufen“, warnt Eva-Maria Stempel von Vedes, dem mit 1100 Fachgeschäften größten Verbund von Spielwarenhändlern in Deutschland.

Doch auch ohne die „Zhu Zhus“ müssen die Deutschen nicht ohne Nager auskommen. Im Kino retten derzeit ein Maulwurf und Meerschweinchen im Agentenfilm „G-Force – Agenten mit Biss“ die Welt. Die fünf Hauptdarsteller Blaster, Juarez, Speckles, Mooch und Darwin gibt es – in verschiedenen Modellen – auch als Figuren fürs Kinderzimmer. Der Hit unter Kids sind dabei die „G-Force-Flying Operators“, die dank Kabelsteuerung und Propellern tatsächlich durch die Luft fliegen.

Knapp 15 Euro kosten die fliegenden Nager bei der Metro, zu haben sind sie auch in vielen Spielzeugläden. Das Geschäft geht gut, heißt es beim Großhändler. „Unsere ohnehin schon hohen Erwartungen wurden noch übertroffen“, sagt auch eine Sprecherin der Berliner Spielwarenkette Spiele Max.

Wem fliegende Meerschweinchen nicht reichen, der kann zusätzlich nachrüsten. Der deutsche Spielwarenproduzent Dickie, der als Lizenznehmer von Disney die „G-Force-Agenten“ herstellt, bietet Fans auch ein passendes Funkauto an – zum Preis von weiteren 40 Euro. Doch die Beliebtheit der echten Tiere ist wohl auch von autofahrenden Spielzeugexemplaren nicht zu schlagen. Meerschweinchen gehören zu den Lieblingen der Deutschen. Mehr als sechs Millionen Kleinsäuger leben in deutschen Haushalten, die meisten davon sind Meerschweinchen.

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