Wirtschaft : Handel: Außenhandelsverband macht in Optimismus

Nach den Terroranschlägen in den USA rechnet der Bundesverband des deutschen Groß- und Außenhandels (BGA) im kommenden Jahr mit einem Wachstumsrückgang, aber nicht mit einer Rezession. Um fünf, bestenfalls sechs Prozent würden die Exporte 2002 nominal noch zulegen, prognostizierte der Bundesverband am Montag in Berlin für die weltweit zweitgrößte Handelsnation. Vor den Angriffen war man noch von acht Prozent Zuwachs ausgegangen nach zweistelligem Wachstum im vergangenen Jahr. "Wir stellen eine rückläufige Entwicklung der Auftragseingänge fest", sagte Verbandspräsident Anton Börner. Von einer drohenden Rezession könne jedoch keine Rede sein.

"Jedes Gerede über Weltwirtschaftskrisen halten wir für unseriös", sagte Börner. "Eine Rezession in Euroland wird es nicht geben." Deutschland und Europa müssten jetzt in der Weltwirtschaft die Rolle der Konjunkturlokomotive übernehmen. Dafür seien Signale an Märkte und Verbraucher nötig. Die Bundesregierung müsse die gesamte Steuerreform vorziehen und die Arbeitsmärkte schneller deregulieren, schloss sich Börner Forderungen der Opposition an.

Vorsichtiger als für Europa sind die BGA-Prognosen für die Vereinigten Staaten: "Eine Rezession in den USA erscheint noch unwahrscheinlich", sagte Börner. Da vieles für eine vorübergehende Kaufzurückhaltung spreche, geht der BGA davon aus, dass sich die erhoffte Erholung der US-Konjunktur um ein viertel bis halbes Jahr verschieben wird. Nach Frankreich sind die USA Deutschlands wichtigster Handelspartner.

Sollten sich die Prognosen des BGA für den deutschen Außenhandel erfüllen, bliebe der Außenhandel weiter eine wichtige Stütze der heimischen Konjunktur, die nach der Prognose des Verbands 2002 um 1,5 Prozent zulegen wird, nach 1,2 Prozent in diesem Jahr. Rückenwind soll den Exporteuren der Euro geben. Der freilich zeigt sich zurzeit an den Devisenmärkten eher stärker.

Weniger zuversichtlich hinsichtlich der weltwirtschaftlichen Entwicklung als der deutsche Außenhandelsverband sind die Händler am Londoner Ölmarkt. Wegen der Furcht vor einer weltweiten Rezession nach den Anschlägen in den USA sind die Ölpreise am Montag erneut stark gefallen. Die Sorge vor einem Einbruch der Ölnachfrage in der weltgrößten Volkswirtschaft USA hat Händlern zufolge die Erwartung steigender Ölpreise wegen möglicher Militäraktionen der USA im Nahen Osten inzwischen in den Hintergrund gedrängt. Ein Barrel (1 Barrel = 159 Liter) der richtungsweisenden Nordsee-Ölsorte Brent zur Lieferung im November verbilligte sich in London um gut drei Dollar auf bis zu 22,30 Dollar. Bereits vergangene Woche hatten die Notierungen nachgegeben. Der Preis erreichte nun den tiefsten Stand seit April 2000 und lag knapp neun Dollar unter dem Neun-Monats-Hoch, auf das der Preis am 11. September kurz nach den Anschlägen gestiegen war.

Die Mitglieder der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) haben unterdessen im September offenbar nur rund die Hälfte der ursprünglich beschlossenen Exportkürzungen von einer Million Barrel täglich in die Tat umgesetzt. Statt der offiziell angestrebten nur 23,2 Millionen Barrel Öl pro Tag hätten die Opec-Ländern 24,5 Millionen Barrel gefördert, sagten Branchenkenner am Montag. Die Opec hatte in diesem Jahr drei Mal die Ölexporte gekürzt, um einen Ölpreisrückgang unter die von dem Kartell angestrebte Preisspanne von 22 bis 28 Dollar zu verhindern. Am Mittwoch treffen die Ölminister der Opec in Wien zusammen, um erneut über die Fördermengen zu beraten.

Wie es dann auf den Ölmärkten weitergeht, bleibt abzwarten. Bislang freilich sind die Preise hierzulande eher rückläufig. Ersten Teuerungsdaten aus drei Bundesländern zufolge, dürfte sich die Inflationsrate in Gesamtdeutschland auch in den nächsten Monaten um zwei Prozent einpendeln. Nach Sachsen, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen meldete auch Bayern am Montag einen Rückgang der Inflationsrate für September, und zwar auf 2,1 nach 2,5 Prozent im August. In allen Bundesländern verbilligten sich nach dem Ende des Sommers Ferienübernachtungen und Pauschalreisen. Heizöl und Kraftstoffe verteuerten sich, waren aber noch deutlich billiger als im September 2000, als die Rohölpreise kräftig gestiegen waren.

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