Handel : Deutschland verliert bei Im- und Export

Die Exporteure haben den stärksten Geschäftseinbruch seit Gründung der Bundesrepublik erlitten. Seinen Titel als Exportweltmeister könnte Deutschland verlieren.

Insgesamt sanken die deutschen Ausfuhren von Januar bis Juni um 23,5 Prozent und hatten einen Wert von 391,2 Milliarden Euro. Bereinigt um Preisveränderungen lag das Minus immer noch bei 22,9 Prozent, teilte das Statistische Bundesamt am Dienstag mit.

Die Importe gingen im gleichen Zeitraum um 18,2 Prozent auf 333,5 Milliarden Euro zurück, preisbereinigt nahmen sie um 13,2 Prozent ab. Während die Einfuhren aus China und den USA vergleichsweise stabil blieben, lief der Handel mit anderen EU-Staaten besonders schlecht – die deutschen Unternehmen kauften wenig von innereuropäischen Partnern.
 

Eine ähnliche Entwicklung zeigte sich auch auf dem Exportmarkt. Die Ausfuhren in die EU-Staaten gingen besonders stark zurück, während sich das Geschäft mit Ländern außerhalb der Europäischen Union etwas stabiler entwickelte. Allerdings waren die Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern beträchtlich: Während die Exporte nach China nur um wenige Prozent sanken, brach das Geschäft mit Russland um fast zwei Fünftel ein.

Geschäfte mit Großbritannien, Irland und Spanien laufen nicht

Innerhalb der EU brach das Geschäft mit Großbritannien besonders deutlich ein. Sowohl die Ein- als auch die Ausfuhren sanken hier überdurchschnittlich stark. Der Grund: Die Finanzkrise macht der britischen Wirtschaft besonders zu schaffen, das Land steckt immer noch in der Rezession.

Weit weniger als im Vorjahr setzten deutsche Firmen auch in Irland und Spanien ab. In beiden Ländern hatte das Platzen einer Immobilienblase die Wirtschaft tief in eine Krise gestürzt. Vergleichsweise robust entwickelte sich dagegen das Geschäft mit Deutschlands wichtigstem Handelspartner Frankreich, wo In- und Ausfuhren jeweils weniger stark sanken als im Durchschnitt aller Länder.

China läuft Deutschland Rang als Exportweltmeister ab

Am stabilsten von allen wichtigen Handelspartnern entwickelte sich jedoch das China-Geschäft: Die Exporte sanken lediglich um 3,9 Prozent, die Importe um 4,9 Prozent.

Deutschland droht nach Einschätzung der Welthandelsorganisation WTO in diesem Jahr seinen Titel als Exportweltmeister an China zu verlieren. Die Bundesrepublik hält den Titel seit dem Jahr 2003.

Der Exportverband BGA erwartet für dieses Jahr einen Rückgang der Ausfuhren um etwa 18 Prozent – das wäre das erste Minus seit 1993 und das größte seit Bestehen der Bundesrepublik. Für 2010 sagt der Verband ein Plus von zehn Prozent voraus.
 

Quelle: ZEIT ONLINE, Reuters

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