Handel : Frohe Weihnachten

Einzelhandel sieht beste Voraussetzungen für ein gutes Geschäft im Advent – die Verkäufe laufen bislang überraschend gut.

Maren Peters
Einzelhandel Weihnachten
Weihnachten steht vor der Tür - und könnte für ein Ende der Rezession sorgen. -Foto: ddp

BerlinUngeachtet der Finanzkrise verbreiten die Einzelhändler zu Beginn des Weihnachtsgeschäfts Optimismus. "Wir wollen uns die Stimmung durch einseitige Negativmeldungen und Kassandrarufe nicht verderben lassen", sagte Josef Sanktjohanser, Präsident des deutschen Einzelhandelsverbandes (HDE) am Donnerstag in Berlin. Der Jahresendspurt könnte den Geschäften sogar ein kleines Plus im Vergleich zum Vorjahr bescheren, erwartet der HDE-Chef nach einer Trendumfrage unter Händlern. "Der Konsum hat Potenzial, zu einer Stütze der Konjunktur zu werden."

Damit sind die Voraussetzungen deutlich besser als im Weihnachtsgeschäft 2007. Allein im Dezember 2007 waren die Umsätze im Vergleich zum Vorjahresmonat um sieben Prozent eingebrochen. Vor allem hohe Energie- und Lebensmittelpreise hatten die Kauflaune getrübt. Das Weihnachtsgeschäft ist für Händler die wichtigste Zeit des Jahres, in den zwei Monaten vor dem Fest machen sie im Schnitt 20 Prozent ihrer Jahresumsätze.

In diesem Jahr könnten die Kassen öfter klingeln. Die Einkommen seien gestiegen, die Zahl der Erwerbstätigen deutlich höher als im Vorjahr, die Inflation aufgrund gesunkener Energiepreise wieder zurückgegangen, meint Sanktjohanser. Und auch das Weihnachtsgeld werde in diesem Jahr wieder in voller Höhe gezahlt. "Das stärkt die Kaufkraft." Um die Binnennachfrage weiter anzukurbeln forderte er die Bundesregierung auf, den Solidaritätszuschlag abzuschaffen und die Mehrwertsteuer zu senken.

Ähnlich wie der HDE hat auch die Gesellschaft für Konsumforschung in dieser Woche festgestellt, dass die Bereitschaft zu größeren Anschaffungen bei Konsumenten zurzeit groß ist. Sehr skeptisch sind sie aber, was die Konjunkturentwicklung der nächsten Monate angeht.

241638_0_e1991666.jpeg

In den Läden macht sich die Skepsis noch nicht bemerkbar. Im September - als die Finanzkrise mit der Pleite der US-Bank Lehman Brothers in eine neue Dimensionen vorrückte - stiegen die Einzelhandelsumsätze nach HDE-Angaben um 4,1 Prozent. Auch im Oktober und November habe es keinen Einbruch gegeben, sagte Sanktjohanser, auch wenn die Mehrheit der Unternehmen mit der Entwicklung im November noch nicht ganz zufrieden sei.

 Insgesamt bleibt die Branche aber zuversichtlich. Im November und Dezember werde der Handel insgesamt 74,7 Milliarden Euro (Vorjahr: 74 Milliarden) umsetzen und damit an das Niveau von 2005 anknüpfen, erwartet der HDE. Für das Gesamtjahr bestätigte der Verband seine Prognose. Danach sollen die Umsätze nominal (ohne Berücksichtigung von Preissteigerungen) um 1,5 Prozent steigen.

Analysten des Kreditversicherers Euler Hermes, der bundesweit Zugang zu den Finanzdaten von einer Million Firmen besitzt, teilen den Optimismus. "Trotz Finanzkrise entwickelt sich der deutsche Einzelhandel derzeit auffallend stabil", sagte Ulrich Nöthel, Chef des Risikomanagements bei der Allianz-Tochter, dem "Handelsblatt". "Wir stellen zu unserer Überraschung fest, dass auch das Weihnachtsgeschäft bei fast allen Händlern deutlich besser läuft, als es die Auguren noch vor Kurzem befürchtet hatten."

0 Kommentare

Neuester Kommentar