Handel : Heuschrecken trietzen Frankfurter Börse

Die Finanzinvestoren TCI und Atticus wollen den Wert ihrer Anteile steigern. Seit Beginn des Jahres hat sich der Börsenwert des Konzerns halbiert.

Frankfurt am Main - Die an der Deutschen Börse beteiligten Hedgefonds TCI und Atticus setzen den Dax-Konzern zunehmend unter Druck. Der Großaktionär TCI hat nun einen Verkauf des traditionsreichen, aber unter Margendruck leidenden Aktienhandels ins Spiel gebracht. Offenbar hofft der Londoner Hegdefonds, so den Aktienkurs des Konzerns wieder steigen zu sehen, der sich seit Anfang dieses Jahres halbiert hat.

In Finanzkreisen heißt es, TCI-Chef Chris Hohn habe den Verkauf des Frankfurter Aktienhandels an die Londoner Börse angeregt. Hintergrund ist offenbar der Margendruck im Aktiengeschäft durch das Aufkommen von neuen Billigbörsen, der die Deutsche Börse zu Gebührensenkungen zwingt.

Noch in diesem Herbst dürfte die Entscheidung über die Zukunft der Deutschen Börse fallen. Die beiden Hedgefonds, die gemeinsam 19 der Konzernanteile halten, sitzen derzeit zusammen, um einen Vorschlag zur Steigerung des Unternehmenswertes auszuarbeiten. „Es ist eher eine Frage von Wochen als von Monaten, bis mit dem Management über das Ergebnis gesprochen wird“, heißt es aus mit dem Sachverhalt vertrauten Kreisen.

Eine Option ist dabei die Aufspaltung des Konzerns. Geprüft wird jedoch auch ein Börsengang der Derivatetochter Eurex. Nach Ansicht der Hedgefonds zeige die Unterbewertung der Aktie, dass der Konzern „krank“ sei und eine „Heilung“ erfolgen müsse. „Sonst ist der Konzern bei weiteren Konsolidierungsschritten in der Branche im Nachteil.“

Vergangene Woche hatten Atticus und TCI ihre Zusammenarbeit, über die bislang nur spekuliert worden war, offiziell bei den Aufsichtsbehörden angemeldet. Beide waren 2005 bei der Deutschen Börse eingestiegen und hatten den geplanten Kauf der Londoner Börse durch die Frankfurter verhindert. Lange galt dies in der Branche als kluger Schachzug, denn der Kurs der Deutschen Börse stieg unaufhaltsam. Weil der Kurs sich seit Anfang dieses Jahres aber mehr als halbiert hat, lösten sich für die Fonds Buchgewinne in Milliardenhöhe fast in Luft auf. Sowohl TCI als auch Atticus wollten sich zu ihren gemeinsamen Plänen bislang nicht konkret äußern.

Die Deutsche Börse betreibt im Kern drei Geschäftsfelder: den Aktienhandel, das Derivategeschäft und die Wertpapierabwicklung. Seit langem gibt es Forderungen, eine dieser drei Säulen ganz oder in Teilen zu verkaufen oder sie in Partnerschaften mit Wettbewerbern einzubringen. Dabei wird argumentiert, die Summe der Einzelteile sei mehr Wert als der Gesamtkonzern.

Dass sich die Londoner Börse einen Zukauf wie den Frankfurter Aktienhandel aus eigener Kraft leisten kann, gilt zwar als unwahrscheinlich. Nach Informationen des „Handelsblatts“ ist sie aber offenbar nicht abgeneigt. In Frankfurt gilt der Verkauf des Aktienhandels jedoch als inakzeptabel. „Dem wird der Börsenrat nie zustimmen“, heißt aus dem Umfeld des vor allem mit lokalen Banken und Brokern besetzten Gremiums. Eher würde man versuchen, die Börsenlizenz der hessischen Landesregierung zu übernehmen und den Aktienhandel als Genossenschaft zu betreiben.ben/mm/oli/rob (HB)

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