Wirtschaft : Handel im Internet bereitet Sorgen

Bundesaufsichtsamt plant internationale Konferenz / Grauer Kapitalmarkt ein besonderes Problem

FRANKFURT (MAIN) (ro).Beim Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel (BAWe) macht man sich mehr und mehr Sorgen über die Nutzung des Internets für unseriöse Wertpapierangebote und problematische Wertpapiergeschäfte."Wir haben nicht mehr viel Zeit.Wir müssen schnell handeln", sagt BAWe-Präsident Georg Wittich.Deshalb wird Ende Juli zum ersten Mal eine Sonderkommission von Wertpapieraufsehern aus mehreren Länder tagen.Sie wird von Wittich geleitet und soll über Maßnahmen und Mindeststandards beraten. "Wir wollen und können dabei das Internet nicht für Wertpapiergeschäfte blockieren", betont Wittich.Aber es müßten Kontrollmöglichkeiten geschaffen werden.So könnten Risiken dadurch auftreten, daß im Internet Wertpapiere angeboten werden, für die es keinen schriftlichen Verkaufsprospekt gibt.Hierzulande müssen solche Prospekte beim BAWe hinterlegt werden.Auch über e-mail könnten Anbieter direkt an Anleger herantreten."All diese Probleme sind nur mit internationalen Vereinbarungen zu lösen", sagt Wittich. Auch den "Grauen Kapitalmarkt" betrachtet Wittich als besonderes Problem.Die Anbieter unterliegen keiner staatlichen Aufsicht.Viele würden den Schutz der Anleger vernachlässigen und keine schriftlichen Verkaufsprospekte vorlegen.Damit liefen Angebote unter dem fragwürdigen Etikett "Privatplazierung" auch über Annoncen, Strukturvertriebe, Telefon und eben auch über das Internet an eine breite Zahl von Anlegern. Probleme gibt es allerdings auch bei den herkömmlichen Vertriebswegen: 28 von knapp 140 beim BAWe 1996 eingegangenen Beschwerden bezogen sich auf mangelhafte Beratung der Banken bei Wertpapiergeschäften.Deshalb hat das Amt die Pflichten für die Geldinstitute präzisiert.Die Kunden müssen über Kosten, Risiken und Chancen einer Wertpapieranlage informiert werden. Mit Blick auf verbotene Insidergeschäfte werde die Aufsicht des Amtes, so Wittich, immer effizienter und effektiver.Allein darauf sei zurückzuführen, daß das BAWe bereits im ersten Halbjahr 15 Insiderfälle an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet habe.Im gesamten Jahr 1996 hatte das BAWe 17 Fälle an die Staatsanwälte übergeben.Dreimal wurden dabei Geldstrafen, einmal eine Freiheitsstrafe auf Bewährung ausgesprochen.Immer noch nicht abgeschlossen sind die Ermittlungen im Fall SAP. Verärgert ist Wittich darüber, daß viele Unternehmen den freiwilligen Übernahmekodex immer noch nicht unterschrieben haben."Ich hoffe sehr, daß sich die Dinge ändern." Ansonsten müsse über eine gesetzliche Regelung nachgedacht werden.

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