Handel : Merkels China-Besuch bringt kaum Verträge

Mit nur zwei unterschrieben Verträgen im Gepäck wird Kanzlerin Merkel nach Deutschland zurückkehren. Die deutsche Wirtschaft ist trotzdem zufrieden - allen voran Thyssen-Krupp und die Leasingfirma Windrose Air.

Christoph Giesen
Merkel
Kontakte knüpfen: Im Schlepptau der Kanzlerin hatte diesmal nicht jeder Glück. -Foto: dpa

Beim Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Peking sind am Montag zwei Wirtschaftsabkommen unterzeichnet worden. Bei vorherigen Kanzlerbesuchen in China waren es in der Regel weit mehr Aufträge, dennoch seht sich die deutsche Wirtschaft in der Volksrepublik sehr gut aufgestellt.

Vertreter von Thyssen-Krupp unterzeichneten in der Großen Halle des Volkes einen Gründungsvertrag für eine Kurbelwellenfertigung mit einem Auftragsvolumen von 130 Millionen Euro. 2009 soll die Produktion im ostchinesischen Nanjing starten.

Die Fluzeugleasingfirma Windrose Air verabredete eine Kooperation mit Deer Jet, einem Tochterunternehmen der chinesischen Fluggesellschaft Hainan Airlines. Der Berliner Mittelständler hofft nun, während der Olympischen Spiele 2008 den ein oder anderen Jet nach Peking fliegen zu lassen. „Jetzt können wir auch in China landen, da wir die Slots unseres Partners nutzen dürfen“, freut sich Ursula Hannan, Sprecherin von Windrose Air.

Leer ging hingegen der Maschinenbauer MAN aus. Der erwartete Gründungsvertrag für ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem chinesischen Dieselmotorenhersteller Weichai konnte nicht unterzeichnet werden. Die Regionalregierung der Provinz Shandong hat noch kein grünes Licht gegeben. Trotzdem sei man zuversichtlich, dass die Kooperation zustande komme, sagt ein MAN-Sprecher. Erfolgreicher war die Deutz AG. Bereits in der vergangenen Woche unterzeichneten die Kölner Motorenbauer im nordchinesischen Dalian einen Vertrag über 60 Millionen Euro. Gemeinsam mit dem chinesischen Partner sollen 1900 Mitarbeiter 100 000 Dieselmotoren pro Jahr fertigen.

„Viele deutsche Firmen sind bereits in China etabliert“, sagt Friedolin Strack vom Asien-Pazifik-Ausschuss des BDI. Im Jahr 2006 investierten knapp 800 deutsche Unternehmen insgesamt 2,4 Milliarden Euro in der Volksrepublik. „Wir sind sehr zufrieden. Der deutschen Wirtschaft geht es sehr gut in China“, sagt Strack. Trotzdem sei die Zeit der Großprojekte vorbei, stellt Bernd Reitmeier von der Außenhandelskammer Schanghai fest.

Viele der großen deutschen Unternehmen produzieren bereits in China. Die politischen Delegationsreisen lohnen sich daher eher für Mittelständler, die bisher noch nicht in der Volksrepublik vertreten sind. Im Schlepptau der Kanzlerin können Kontakte geknüpft oder Gespräche geführt werden, die ohne Unterstützung nicht möglich wären. Und dem einen oder anderen Unternehmer hilft später das gemeinsame Gruppenbild mit Staatspräsident Hu Jintao oder Regierungschef Wen Jiabao aus der Patsche. In China funktioniert nichts ohne „Guanxi“, zu deutsch: Beziehungen. Deshalb: Den Schnappschuss mit dem chinesischen Präsidenten aus der Schublade geholt und behauptet, Genosse Hu sei ein guter Freund, schon lösen sich viele Probleme.

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