Wirtschaft : Handel mit illiquiden Xetra-Werten wird eingeschränkt

BERLIN (dr).Mit Änderungen bei der Preisfeststellung will die Deutsche Börse AG die Preisqualität wenig liquider Werte verbessern.Vom Februar an sollen im elektronischen Handelssystem Xetra die Preise für 450 Dividendentitel mit einer geringen Nachfrage nur noch einmal täglich festgestellt werden, teilte die Deutsche Börse und das für die Börsenaufsicht zuständige Hessische Wirtschaftsministerium am Donnerstag mit.Die Auktion mit anschließender Preisfeststellung wird um 13 Uhr erfolgen, erklärten das für den Handel zuständige Vorstandsmitglied der Deutschen Börse Reto Franconi, und der Staatssekretär im hessischen Wirtschaftministerium Matthias Kurth.Der Anlegerschutz stehe dabei im Vordergrund, betonte Kurth.

Um extreme Preisbewegungen zu vermeiden sollen ferner für die betroffenen Titel im elektronischen Handel nur noch limitierte Aufträge entgegengenommen werden.Gedacht wird auch an limitierte Aufträge und eine Kennzeichnung der betroffenen Aktien

Bisher können bei geringen Handelsvolumina bereits kleine Order große Abweichungen bei den Preisen auslösen.Außerdem wird geprüft, ob Papiere mit geringer Nachfrage künftig im Kurszettel besonders gekennzeichnet werden.Betroffen sind vor allem deutsche Aktien unterhalb der MDax-Ebene und ausländische Titel, hieß es weiter.Ihre Zahl wurde mit insgesamt 540 angegeben.

Diskutiert wird ferner, ob ähnliche Beschränkungen künftig auch für den Parketthandel gelten sollen.Selbst das Ausscheiden weniger liquider Titel schloß Franconi nicht aus.Derzeit würden Kriterien erarbeitet, die eine Aktie erfüllen müsse, um dauerhaft an der Frankfurter Börse gehandelt zu werden.Die Liste der jetzt ins Auge gefaßten Titel soll jedoch nicht unveränderbar sein.Die Liquidität von Titeln werde im Verlauf immer wieder überprüft, erklärte Kurth.

In der Vergangenheit waren nach Ausweitung des elektronischen Handels Xetra auf alle zugelassenen Aktien teilweise hohe Unterschiede zwischen den Preisen auf dem Börsenparkett und im Computerhandel beobachtet worden.So sahen sich Käufer unter Umständen mit sehr hohen Kaufpreisen konfrontiert, denen wenig später eher geringe Verkaufsnotierungen folgen.Sollte es dennoch in Zukunft zu hohen Preissprüngen kommen, greift die sogenannte Mistrade-Regel, die ebenfalls überarbeitet wurde.Demnach sollen Geschäfte, die auf erheblichen Kursabweichungen basieren, künftig leichter als bisher annuliert werden können.

Ausgenommen von der Neuregelung sind alle Dax-, MDax- und Stoxx-Werte sowie Titel, die am Neuen Markt in Frankfurt (Main) gehandelt werden.Ebenfalls fortlaufend notiert werden alle Papiere, bei denen ein sogenannter Betreuer für zusätzliches Handelsvolumen sorgt.Insgesamt handelt es sich hierbei um rund 260 Werte.

Die Frankfurter Entscheidung, den Kurszettel zu verkürzen, dürfte im Ergebnis den regionalen Börsen helfen, meinten Beobachter.Den kleineren Plätzen eröffnen sich hierdurch neue Nischen.So werden beispielsweise in Berlin im Freiverkehr "kleinere" Werte gehandelt und bis 17 Uhr eine Vielzahl von variablen Kursen festgestellt.Auf diese Weise wird eine enge zeitliche Anbindung an Wall Street erreicht.

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