Wirtschaft : Handel preist in D-Mark und Euro aus

BONN (AP/AFP).Die Verbraucher können sich schon im kommenden Jahr an die neuen Preise in Euro gewöhnen: Ab 1999 will der Einzelhandel die ersten Artikel parallel in D-Mark und Euro auszeichnen.Dazu verpflichtete sich der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels nach Gesprächen mit der Arbeitsgemeinschaft der Verbraucherverbände, wie beide Organisationen am Freitag in Bonn mitteilten.Die Wirtschaft hatte ursprünglich auf eine Stichtagsregelung, den sogenannten Big Bang, gedrängt, um die Umstellungskosten so gering wie möglich zu halten.Handel und Banken stimmten in einer weiteren Erklärung zu, daß die Umstellungsfrist für die Annahme von D-Mark-Bargeld nach der Einführung des Euro-Bargelds Anfang 2002 zwei Monate laufen soll.

Nach der Selbstverpflichtung des Einzelhandels sollen zunächst die Artikel mit doppelten Preisen ausgezeichnet werden, "die für die Kunden besonders augenfällig sind" und bei denen dies technisch unkompliziert machbar sei.Die Zahl der doppelt ausgezeichneten Artikel soll bis Ende 2001 schrittweise erhöht werden.Spätestens im Sommer 2001 sollen die meistverkauften Waren und Dienstleistungen mit Preisen sowohl in D-Mark als auch in Euro angegeben werden, in den Läden wie auch in Werbeprospekten und Preislisten.

Die Selbstverpflichtung wurde bereits von Edeka, Karstadt, Metro, Rewe, Tengelmann und Ava unterzeichnet.Mit den vorgesehenen Maßnahmen könne deshalb auf eine gesetzliche Regelung verzichtet werden, erklärten Einzelhandelsverband und Verbraucherschützer übereinstimmend.Das Bundeswirtschaftsministerium lobte den "gelungenen Einstieg in die Euro-Phase", der bürokratische Regelungen und Kosten vermeide.Auch aus der SPD-Regierungsfraktion hieß es, man sehe nun keinen Handlungsbedarf mehr.

Bei einer Besprechung im Bundesfinanzministerium verständigten sich die Verbände von Handel, Banken und Automatenwirtschaft darauf, den Verbrauchern für die Bargeldumstellung von der D-Mark auf den Euro Anfang 2002 zwei Monate Zeit zu geben.Zwar werde der Euro vom 1.Januar 2002 an "alleiniges gesetzliches Zahlungsmittel" in Deutschland, der Handel werde aber bis zum 28.Februar 2002 auch D-Mark-Münzen und Banknoten annehmen, teilte das Finanzministerium mit.Danach sind nur noch die Zweigstellen der Landeszentralbanken verpflichtet, die dann alte Währung zum festen Umtauschkurs zu akzeptieren.Ein Sprecher des Bundesverbandes deutscher Banken betonte aber, es sei nicht damit zu rechnen, daß die Geldinstitute ihre Kunden ab März 2002 "vor den Kopf stoßen" würden.

Als erste dürften nach der Einigung die kleinen Münzen mit einem Nennwert von einem, zwei und fünf Pfennig verschwinden: Sie werden ab Januar 2002 von den Banken nicht mehr ausgegeben; Bruchbeträge werden statt dessen in Cent ausbezahlt.Die Geldinstitute reichen demnach auf Kundenwunsch im Januar und Februar 2002 nur noch Groschen, 50-Pfennig-Stücke sowie Münzen zu einer, zwei und fünf Mark aus.Im Handel sollen voraussichtlich gesonderte Informationsstände mit Mark-Münzen ausgestattet werden, damit Kunden etwa noch nicht auf Euro umgestellte Automaten oder Schließfächer weiterhin bedienen können.

Die europäische Einheitswährung wird am 1.Januar 1999 von elf Ländern eingeführt: Neben Deutschland sind dies die Benelux-Staaten Belgien, Niederlande und Luxemburg sowie Frankreich, Italien, Österreich, Spanien, Portugal, Irland und Finnland.Zum Jahreswechsel 1999 kommt der Euro allerdings zunächst nur als Buchgeld.

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