Wirtschaft : Handel schreibt den Schlussverkauf ab

Schon drei Wochen vor dem letzten Ausverkauf in alter Form tobt der Preiskampf / Schwaches Weihnachtsgeschäft

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Berlin (msh). Drei Wochen vor Beginn des voraussichtlich letzten Winterschlussverkaufs ist im Einzelhandel eine neue Rabattschlacht entbrannt. Warenhausketten und Textilketten wie Karstadt, Kaufhof oder Peek und Cloppenburg werben mit Preisnachlässen von bis zu 70 Prozent. „Bei den Preisen sind längst alle Dämme gebrochen“, sagte Hubertus Pellengahr, Sprecher des Handelsverbandes HDE, dem Tagesspiegel. Damit verschärft sich der Preiskampf aus dem Weihnachtsgeschäft noch einmal.

Grund für die hektischen Rabattaktionen des Handels ist laut Pellengahr das schlechte Geschäft im November gewesen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes ist der Umsatz im Handel im November im Vergleich zum Vorjahresmonat um 4,8 Prozent eingebrochen. Allerdings gab es einen Verkaufstag weniger. Ohne diesen Effekt sank der Umsatz im Jahresvergleich „nur“ um 1,8 Prozent. „Die Verbraucher waren nicht sicher, ob die Steuerentlastung wirklich kommt“, sagte Johann Hellwege, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes BAG, der die großen Handelskonzerne vertritt. Erst nach der Entscheidung seien die Umsätze Ende Dezember merklich angezogen.

Das Weihnachtsgeschäft, das die Monate November und Dezember umfasst, sei aber nicht mehr zu retten gewesen. Der HDE erwartet für die gesamte Branche einen Umsatzrückgang von drei bis vier Prozent in diesem Zeitraum. Neben der schlechten Stimmungslage der Verbraucher hat dem Textilhandel auch der milde Herbst die Geschäfte vermiest. Hier war der Umsatzeinbruch im November mit minus 8,5 Prozent besonders stark. „Warme Winterware verkaufte sich zu Beginn der Saison nur schleppend“, sagte Karstadt-Sprecher Elmar Kratz. Entsprechend voll seien jetzt die Lager der Textilhändler.

Für den am 26. Januar beginnenden Winterschlussverkauf bleibt den Handelskonzernen nur noch wenig Spielraum für weitere Preissenkungen. „Bei 50 Prozent Rabatt kann es mit den Preisen kaum noch runtergehen“, sagte Karstadt-Sprecher Kratz. Allerdings werde das Sortiment der herabgesetzten Waren noch einmal deutlich vergrößert. Die Bundesregierung plant im Zuge der Reform des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG, siehe Kasten), die Schlussverkäufe abzuschaffen. Nach der alten UWG-Regelung sind Preisnachlässe nur für einzelne Artikel erlaubt, was angesichts der Rabattflut aber kaum ein Kunde bemerkt.

Nach Angaben der Wettbewerbszentrale haben die Handelskonzerne die Schlussverkäufe längst abgeschrieben. „Trotz des Preiskampfes gibt es kaum noch Beschwerden von Konkurrenten über unlautere Rabattaktionen“, sagte Hauptgeschäftsführer Reiner Münker. Noch vor einem Jahr gingen täglich mehrere Beschwerden in der Zentrale ein. Damit reagierten die Händler bereits auf die bevorstehende Änderung des UWG. Stattdessen arbeiten sie bereits an Plänen für die Zukunft. „Wir planen Verkaufsevents zu jedem Saisonwechsel“, sagte Karstadt-Sprecher Kratz. Und der könnte bei bestimmten Sortimenten auch zwölfmal im Jahr sein.

Für den Umsatz im voraussichtlich letzten Winterschlussverkauf sind Experten eher skeptisch, obwohl die kalte Witterung dem Textilhandel Hoffnung macht. „Die Menschen werden am Ende des Monats auf ihren Lohnzetteln sehen, was sie tatsächlich von der Steuerreform haben“, sagte Ulrich Eggert, Geschäftsführer des Handelsforschungsinstituts BBE. So mancher könnte dabei eine Enttäuschung erleben. Der HDE erwartet für 2004 einen leichten Umsatzanstieg von 0,5 bis ein Prozent.

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