Handelsblatt-Jahrestagung : Über den Euro wird immer noch heiß diskutiert

Bei der Handelsblatt-Jahrestagung in Berlin trafen die Spitzenkandidaten von Grünen und AfD, Sven Giegold und Bernd Lucke, aufeinander. Für den AfD-Chef war es ein erster Vorgeschmack auf seine vermutliche Arbeit im Europaparlament.

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Diskutierten bei der Handelsblatt-Jahrestagung: Oliver Stock, Peter Simon, Sven Giegold und Bernd Lucke (von links).
Diskutierten bei der Handelsblatt-Jahrestagung: Oliver Stock, Peter Simon, Sven Giegold und Bernd Lucke (von links).Foto: EUROFORUM/D. Gust

Es war eine neue Bühne für AfD-Chef Bernd Lucke. Kurz vor dem Ende des Europawahlkampfs trat er nicht auf einem Marktplatz auf, sondern vor Dutzenden von Sparkassen-Führungskräften. Den meisten Applaus bekam er zwar nicht. Aber immerhin: Mit Sven Giegold, dem Spitzenkandidaten der Grünen in Deutschland, hatte sich ein direkter Konkurrent neben ihn aufs Podium gestellt. Zusammen mit dem SPD-Europaabgeordneten Peter Simon ging es bei der 12. Handelsblatt-Jahrestagung „Zukunftsstrategien Sparkassen und Landesbanken“ in Berlin am Freitag um die Zukunft von Sparkassen und Landesbanken.

Und um den Euro natürlich. Peter Simon warf Lucke vor, er präsentiere die falsche Lösung für die Probleme in der Euro-Zone: „Ihr Lösung heißt: Wir bringen uns um aus Angst vor dem Tod“, sagte er an die Adresse Luckes. Dieser wollten den Vorwurf nicht auf sich sitzen lassen und entgegnete: „Wir suchen Lösungen, die an die Ursachen der Krise herangehen.“ Es gebe immer noch erhebliche Risiken in der Euro-Zone. Nur sei es so, dass die gute Weltkonjunktur die Probleme überdecke.

Auf Luckes Einwand hin, in der Euro-Krise seien Risiken nur verschoben worden von Banken zu Steuerzahlern, sagte Simon: Am Ende könne es sogar so sein, dass die Stützungsmaßnahmen für die Staaten in Europas Süden den deutschen Steuerzahler gar nichts kosten. „Es klingt zynisch, aber Finanzminister Schäuble kann am Ende noch richtig gut wegkommen.“ Simon schaffte es sogar, die Schwäche des europäischen Südens als Vorteil für Deutschland zu verkaufen: Weil eine nationale deutsche Währung wesentlich stärker als der Euro wäre – und den Exporterfolg erschweren würde.

Lucke kritisierte auch, dass in der Euro-Krise vieles als „Schnellschuss“ gemacht worden sei. Giegold stimmte ihm in seiner Kritik zu, dass die neue europäische Bankenaufsicht bei der Europäischen Zentralbank (EZB) angesiedelt wird. „Das freut ich mich, dass Herr Giegold einmal mit mir einer Meinung ist“, sagte Lucke. Simon verwies darauf, dass es einen Unterschied mache, ob man die Euro-Krise aus Sicht eines Politikers oder eines Wissenschaftlers betrachte. „Wir waren in einer Situation, wo viel psychologisches Feingespür gefragt war, und nicht nur mathematische Formeln.“ Am Ende wirkte es ein bisschen so, als würden die beiden Abgeordneten Giegold und Simon ihrem vermutlich neuen Kollegen Lucke eine Art Einführung in die Parlamentsgepflogenheiten zu geben – das alles in einem durchaus freundlichen Ton, der sonst im Wahlkampf zwischen Grünen und AfD eher selten ist.

Dem AfD-Chef schien es zu gefallen, dass er einmal vor einem Fachpublikum herausgefordert wurde. Tatsächlich endete die von Handelsblatt-Online-Chef Oliver Stock moderierte Diskussion bei eher fachspezifischen Fragen wie der Debatte um ein Trennbankensystem oder die Finanztransaktionssteuer. Gerade deshalb konnte man sich andererseits gut vorstellen, wie Lucke demnächst mit Europaabgeordneten wie Giegold und Simon in den Ausschüssen des Parlaments über Währungspolitik debattieren wird. Dass der AfD-Chef mittlerweile auf wirtschaftspolitischen Podien eingeladen wird, kann er als Erfolg verbuchen. Kürzlich schon war er beim Verbandstag der Familienunternehmen in Dresden aufgetreten.

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