Wirtschaft : Handelsblatt-Umfrage: Deutsche Firmen setzen weiter auf das E-Business

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Die Hersteller von Software, mit denen Unternehmen Geschäfte über das Internet abwickeln (E-Business), können vorerst aufatmen. Deutsche Manager halten trotz der konjunkturellen Eintrübungen in USA und Europa an ihren Investitionsplänen für das Internet fest. Das ergab eine stichprobenartige Umfrage des Handelsblatts unter Dax- und M-Dax-Unternehmen. Beruhigt zurücklehnen können sich die Software-Anbieter freilich kaum. Die Anforderungen an ihre Produkte steigen, die E-Business-Budgets werden zunehmend einer strikten Kosten- und Erfolgskontrolle unterworfen. Gewinnwarnungen großer US-Softwarehäuser wie Oracle hatten in den letzten Tagen Befürchtungen genährt, auch deutsche Unternehmen könnten wie US-Firmen ihre E-Business-Investitionen kürzen oder zeitlich strecken, um die Quartalsberichte von Kosten zu entlasten. Doch die Planzahlen hiesiger Konzerne zeigen das Gegenteil.

So will der Elektronikkonzern Siemens nach wie vor über 18 Monate eine Milliarde Euro (1,96 Milliarden Mark) für E-Commerce-Projekte bereitstellen. Beim Autobauer Daimler-Chrysler stehen in einem ersten Schritt 550 Millionen Euro im Budgetplan. Der Chemiekonzern BASF stellt bis Ende nächsten Jahres 75 Millionen Euro zur Verfügung, der Maschinenbauer MAN in diesem Jahr 25 Millionen Euro. Selbst Firmen wie etwa der Wiesbadener Gase- und Anlagenbauer Linde, der bereits vor den negativen Auswirkungen der nachlassenden US-Konjunktur gewarnt hat, sehen keinen Anlass, ihre E-Business-Pläne zu ändern. Doch nicht nur die großen Konzerne investieren kräftig. Auch die im Börsensegment M-Dax gelisteten Unternehmen setzen auf E-Business. Der Graphitspezialist SGL Carbon will in einem ersten Schritt 20 Millionen Euro locker machen. Mit dem Geld will das Unternehmen seine gesamte EDV-Landschaft auf einen Standard bringen, aber auch die Kunden und Lieferanten über E-Commerce einbinden. Ein umfassendes E-Commerce-Projekt hat die Heidelberger Druckmaschinen AG gestartet. Zurzeit wird in allen Unternehmensbereichen geprüft, wo das Internet sinnvoll eingesetzt werden kann.

Die Schwerpunkte der Budgets sind eindeutig: Überall dort, wo das Internet dabei helfen könnte, die Kosten zu senken, wird investiert. Dazu zählt in erster Linie der B2B-Bereich, also das Management von Geschäfte zwischen zwei Firmen. Die wichtigsten Beispiele sind Software für die Steuerung der gesamten Beschaffung oder Programme zum Managen der Kundenbeziehungen. Deutsche Firmen können nun davon profitieren, dass sie in Sachen Internet relativ spät dran sind. Sie können die Fehler, die viele Firmen in den USA gemacht haben, vermeiden und Projekte frühzeitig auf ihren Erfolg überprüfen.

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