Handelskette : Neue Ziele für die Metro

Unmittelbar vor dem Wechsel an der Konzernspitze erhöht der Handelskonzern Metro seine Umsatzprognose. Alle Sparten sollen "ohne Tabus" auf den Prüfstand kommen.

Jens Tönnesmann
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Metro. Gute Geschäfte im Ausland treiben den Umsatz. -Foto: AFP

DüsseldorfBeim Handelskonzern Metro ändern sich die Zeiten. Das war auch am Dienstag bei der Bekanntgabe der Quartalszahlen nicht zu übersehen. Die präsentierte nicht wie gewohnt Hans-Joachim Körber, der am morgigen Donnerstag den Chefsessel beim Handelskonzern räumt, sondern Finanzvorstand Thomas Unger. Und der musste gleich verkünden, dass die Metro Group, zu der die Handelsketten Real, Media Markt/ Saturn und Kaufhof gehören, in die roten Zahlen gerutscht ist – allerdings nur vorübergehend. Für das dritte Quartal muss der Konzern einen Verlust von 37 Millionen Euro ausweisen. Schuld an dem Minus sei allerdings kein Einbruch im operativen Geschäft, sondern ein einmaliger steuerlicher Aufwand von 160 Millionen Euro, sagte Unger.

So legte denn auch der Gewinn vor Steuern und Zinsen (Ebit) im Quartal um 14,8 Prozent auf 323 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zu, der Umsatz wuchs um 10,8 Prozent auf 15,7 Milliarden Euro. „Angesichts der guten Geschäftsentwicklung in den ersten neun Monaten erhöhen wir unsere Umsatzerwartung auf nun über neun Prozent“, sagte Finanzvorstand Unger. Bisher war das Unternehmen von acht bis neun Prozent ausgegangen.

Neben dem Umsatz soll bei Metro in Zukunft allerdings vor allem die Rendite wachsen – schon bald könnte sich der Konzern deswegen in eine Baustelle verwandeln. Noch-Chef Körber hatte die vier Sparten Media-Markt/Saturn, Galeria Kaufhof, Cash & Carry und Real mit der Rückendeckung des Großaktionärs Otto Beisheim stets als feste Säulen des Konzerns betrachtet. Nachdem aber die Gründerfamilien Haniel und Schmidt-Ruthenbeck ihre Aktienpakete im Laufe des Jahres weiter aufgestockt und schließlich die Mehrheit an Metro übernommen hatten, reichte Vorstandschef Körber seinen Rücktritt ein. Gewinner des Machtpokers ist Haniel-Favorit Eckhard Cordes. Der frühere Mercedes-Chef ist zugleich Vorstandsvorsitzender bei Haniel in Duisburg. Er tritt am Donnerstag offiziell Körbers Nachfolge an. Cordes hat bereits Ende August angekündigt, jede der vier Metro-Sparten „ohne Tabus“ auf den Prüfstand zu stellen und dabei alle Wert steigernden Maßnahmen in Betracht zu ziehen. Branchenkenner spekulieren, dass es dabei nicht nur um einen Verkauf der verbliebenen Extra-Märkte, sondern auch um die Zukunft der Real-Tochter und der Kaufhof-Warenhäuser gehen könnte. Letztere, so mutmaßen Beobachter, ließen sich möglicherweise gut mit der Karstadt-Kette zusammenlegen.

Wo der Konzern seine Stärken hat, wurde auch bei der Präsentation der Quartalszahlen am Dienstag deutlich: „Wachstumstreiber ist weiterhin das internationale Geschäft“, sagte Finanzvorstand Unger. Während sowohl die Großhandels- (Cash&Carry) als auch die Real-Märkte ihren Umsatz im Ausland deutlich steigern konnten, sank der Umsatz der beiden Ketten auf dem umkämpften deutschen Markt leicht. Auch die Kaufhof-Warenhäuser mussten Umsatzeinbußen hinnehmen, konnten allerdings überraschend schon im dritten Quartal und noch vor dem Weihnachtsgeschäft einen Gewinn ausweisen. Unterdessen steigerten die rund 660 Filialen der Elektronikketten Media Markt und Saturn sowohl Umsatz als auch Gewinn.

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