Wirtschaft : Handelskriege nutzen niemandem

Am Aktienmarkt sorgt man sich seit einiger Zeit wieder um die Kurse.Vor allem, weil es ernstzunehmende Anzeichen für einen weltweiten Konjunkturabschwung gibt.Inzwischen geht aber von ganz anderer Seite eine viel größere Gefahr für die Aktienkurse und - noch wichtiger - die weltweite Stabilität aus.Der relative Waffenstillstand, der bisher im Welthandel herrschte, scheint zu zerbrechen, und zwar dort, wo er am wichtigsten ist: zwischen Japan, den Vereinigten Staaten und Europa: Die EU machte die Welthandelsorganisation (WTO) zum allgemeinen Gespött, weil sie deren Entscheidungen nicht akzeptieren will.Die USA drohen mit Vergeltung und Japan hat ein geplantes Treffen mit einem US-Handelsbeauftragten brüsk abgesagt.Und das waren nur die Ereignisse der vergangenen Woche.

Es ist nicht weiter erstaunlich, daß sich der Streit um Produkte dreht - Bananen, Stahl und Rindfleisch - die von den wertschöpfenden Bereichen des "Informationszeitalters" weit entfernt sind.Es geht um Produkte und Branchen, von denen die Politiker glauben, daß sie geschützt werden müssen.Die größte Bedrohung des Welthandels stellt nach wie vor die Haltung der EU zu den Bananenimporten dar.Ein flüchtiger Blick auf die Geschichte zeigt, daß die EU sich verantwortungslos verhält.Durch ein kompliziertes System von Quoten, Mindestzöllen und Lizenzen behindert die EU Importe aus Lateinamerika und begünstigt die Bananeneinfuhr aus den ehemaligen Kolonien, mit denen europäische Großhändler historische Vereinbarungen hatten.Die EU behauptet, die ärmeren Erzeuger unterstützen zu wollen.Dabei geht es ihr in Wahrheit darum, die europäischen Bananenhändler zu schützen.Klar, daß sich die USA und einige lateinamerikanische Länder vor der WTO darüber beklagt haben.Im Mai 1997 entschied das WTO - Schiedsgericht, daß die Bananenmarktordnung der EU die internationale Handelsordnung verletze.Als die neue Bananenmarktordnung in diesem Jahr in Kraft trat, ließen die USA verlauten, daß sie als Vergeltung Zölle auf EU-Waren wie Kaschmir-Pullover und Schweinefleisch erheben würden.Auch wegen hormonbehandeltem Rindfleisch liegen sich Amerikaner und Europäer in den Haaren.Auch europäische Untersuchungen konnten nicht nachweisen, daß das Fleisch von Rindern, das mit synthetisch produzierten aber naturidentischen Wachstumshormonen behandelt wurde, eine Gefahr für die Gesundheit der Verbraucher darstellt.Die WTO stellte im Februar fest, daß das Importverbot der EU für derartige Produkte gegen den Grundsatz des Freihandels verstößt.Auch hier gibt es unterschiedliche Auffassungen darüber, was die WTO-Entscheidung bedeutet - und die Clinton-Regierung hat mit einseitigen Sanktionen gedroht.Amerikas Problem mit Japan sind Japans Stahlexporte in die USA, die sich in den ersten elf Monaten des vergangenen Jahres verdreifacht haben.So wie die Europäer ihre Rinderzüchter und Bananenhändler schützen, läßt sich die Regierung der Vereinigten Staaten von den Beschwerden ihrer Stahlhersteller leiten.

Dabei sollten die Gefahren, die von Handelskriegen ausgehen, offensichtlich sein.Es gibt zahlreiche Beispiele für den Schaden, den sie anrichten.So spielten die vom US-Kongress 1929 verhängten Smoot-Hawley-Zölle auf ausländische Agrarprodukte eine mitentscheidende Rolle für den Ausbruch der Weltwirtschaftskrise.Wenngleich niemand davon ausgeht, daß der Handelskrieg, der sich jetzt zusammenbraut, ähnliche Konsequenzen haben könnte, sollten sich die potentiellen Handelskrieger dennoch fragen, wieviel sie für die Durchsetzung ihrer engstirnigen Interessen riskieren wollen.Und vor allem wäre es klug, die Autorität der WTO nicht dadurch zu untergraben, daß man sich ihren Entscheidungen widersetzt.

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