Handelsriese : Arcandor will Thomas Cook behalten

Schickedanz-Bank Sal. Oppenheim stockt Beteiligung am Krisenkonzern Arcandor auf. Unterdessen sagt die Arcandor-Flugtochter Condor das Billigfliegerbündnis mit der Lufthansa-Tochter Germanwings und der Tui-Tochter Tuifly ab

Maren Peters

Berlin - Der kriselnde Arcandor-Konzern hat einen neuen Großinvestor gefunden – und will deshalb auf den angekündigten Verkauf von Teilen seiner profitablen Tourismustochter Thomas Cook zumindest vorerst verzichten. Im Zuge einer Kapitalerhöhung werde die Kölner Privatbank Sal. Oppenheim zunächst rund zehn Prozent der Anteile übernehmen, teilten die Bank und Arcandor am Montag mit. Der Anteil soll später auf bis zu 29,5 Prozent aufgestockt werden.

Sal. Oppenheim ist die Hausbank der Quelle-Erbin und Arcandor-Großaktionärin Madeleine Schickedanz. Sie hält bislang rund 53 Prozent der Arcandor-Anteile, hatte den Kauf ihres Mehrheitspakets nach „Handelsblatt“-Informationen aber zum Teil mit Schulden bei Sal. Oppenheim finanziert. Wegen des dramatischen Kursverfalls der Arcandor-Aktie – allein seit Jahresbeginn ist der Wert um 90 Prozent gesunken – sind die Schickedanz-Anteile jetzt nur noch gut 200 Millionen Euro wert – 1,7 Milliarden weniger als im Januar.

Ihr Einfluss auf die Geschicke des früheren Karstadt-Quelle-Konzern dürfte sich mit dem Verlust der Mehrheit deutlich verringern. Sal. Oppenheim will Schickedanz in zwei Schritten rund 19,5 Prozent der Anteile abnehmen. Zusammen mit den zehn Prozent aus der Kapitalerhöhung wird sich die Bank damit insgesamt bis zu 29,5 Prozent sichern.

Dem Arcandor-Konzern verschafft das frische Kapital bis nach dem Weihnachtsgeschäft Luft, meinen Branchenbeobachter. Insgesamt werden 23 Millionen Aktien zum Gesamtpreis von 59 Millionen Euro ausgegeben. Noch bis Mitte vergangener Woche war wegen Problemen bei der Refinanzierung unklar gewesen, ob Arcandor überhaupt in der Lage sein würde, Waren für das Weihnachtsgeschäft einzukaufen. Am Mittwochmorgen hatte der Konzern dann mitgeteilt, dass die Finanzierung gesichert ist. Am Mittwochabend hatte Arcandaor allerdings hinterhergeschickt, dass auf Druck der Banken der Verkauf der Anteile an Thomas Cook geprüft werde. Anleger waren schockiert, der Kurs brach um 46 Prozent ein. Aktionärsschützer haben inzwischen den Rücktritt von Arcandor-Chef Thomas Middelhoff gefordert. Sie haben Zweifel an seiner Glaubwürdigkeit.

Darin dürften sie am Montag noch bestärkt worden sein. Noch in der vergangenen Woche hatte Middelhoff die Frage, ob eine Kapitalerhöhung geplant sei, als „völligen Quatsch“ zurückgewiesen. Die Börse reagierte daher auch auf die Kapitalerhöhung mit Skepsis: Im frühen Handel verlor die Aktie 1,6 Prozent, am Ende des Tages waren es minus zwei Prozent. Das Papier kostete damit 1,87 Euro.

Wie lange der neue Großinvestor Sal. Oppenheim Arcandor treu bleibt, ist unklar. Ein Sprecher der Bank sprach von einem langfristigen Engagement, Branchenbeobachter haben aber Zweifel. Keine Bank könne derzeit Interesse daran haben, ihren Anteil an der verlustreichen Warenhaustochter Karstadt zu erhöhen, hieß es in Analystenkreisen. Es gehe wohl vor allem darum, kurzfristig Ruhe in den Konzern zu bringen und sich einen besseren Zugriff auf Thomas Cook zu sichern. Die Reisesparte ist mit einem Umsatzanteil von 58 Prozent nicht nur die größte Konzerntochter, sondern auch die einzige, die Gewinne schreibt.

Arcandor hat am Montag nicht nur den drohenden Verkauf von Thomas Cook abgesagt. Auch die Fusion der Thomas-Cook-Fluggesellschaft Condor mit der Lufthansa-Tochter Germanwings und der Tui-Tochter Tuifly ließ der Konzern platzen. Über den Zusammenschluss zu einem Billigfliegerbündnis war seit Wochen spekuliert worden.

Die Frage, was aus der größten Baustelle des Konzern wird, bleibt dagegen auch weiter ungeklärt. „Eine Entscheidung zur Karstadt GmbH wurde nicht getroffen“, teilte Arcandor nach dem Treffen des Aufsichtsrates mit.

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