Handelsstatistik : Deutschland importiert wie nie

Der Aufschwung lässt die Einfuhr um ein Drittel wachsen. Deutschland hat im November so viel aus anderen Ländern importiert wie noch nie seit Beginn der Außenhandelsstatistik im Jahr 1950.

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Berlin - Unternehmen und Konsumenten kauften im November Waren für 75,1 Milliarden Euro im Ausland ein, das war ein Drittel mehr als noch im Vorjahresmonat. Das teilte das Statistische Bundesamt am Freitag mit. „Der kräftige Anstieg der Importe zeigt, dass die deutsche Binnenkonjunktur weiter an Kraft und Dynamik gewinnt“, sagte Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP).

Bislang hatte die Bundesrepublik in erster Linie mit einer starken Erholung des Exports von sich reden gemacht. Das deutliche Importwachstum ist deshalb bemerkenswert, weil viele Industriestaaten Deutschland vorgeworfen hatten, einen Aufschwung auf ihre Kosten zu erleben und die Ungleichgewichte in Europa zu verstärken. Man habe kräftige Nachfrageimpulse bei den Handelspartnern gesetzt, sagte Brüderle mit Blick auf die Debatte. „ Auch damit leistet Deutschland seinen Beitrag zu einem nachhaltigen Aufschwung – im europäischen und internationalen Rahmen.“ Fast zwei Drittel der Importe kamen aus EU-Ländern. Dies belege, „dass unsere europäischen Nachbarn in großem Umfang von der wirtschaftlichen Erholung in Deutschland profitieren“, sagte auch Anton Börner, Präsident des Außenhandelsverbands BGA.

Hinter dem Importboom steht die starke Erholung der Industrie. Chemie, Maschinenbau und vor allem Autohersteller beziehen viele Vorprodukte von Zulieferern oder eigenen Werken jenseits der Grenzen. Eine Ausweitung der Produktion bedeutet also mehr Importe.

Auch der Export entwickelte sich weiter gut. Für 88 Milliarden Euro verkaufte die Wirtschaft Waren ins Ausland, das waren 21,7 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Zugleich markierte dies den höchsten Exportwert seit Oktober 2008. In den ersten elf Monaten 2010 summierten sich die deutschen Exporte damit auf 878 Milliarden Euro. Dies waren 75 Milliarden Euro mehr als im gesamten Vorjahreszeitraum.

Gleichwohl gab es für die Industrie einen leichten Dämpfer. Preis- und saisonbereinigt ging die Produktion im November um 0,7 Prozent im Vergleich zum Vormonat zurück. Das Wirtschaftsministerium betonte aber, die Entwicklung bleibe „aufwärts gerichtet“. Das Ministerium verwies auf die gute Bestelltätigkeit: Im November waren die Auftragseingänge um 5,2 Prozent zum Vormonat gestiegen.

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