Handgepäck im Flugzeug : Fluggesellschaften wollen Handgepäck einschränken

Die Airlines prüfen neue Regeln für das Handgepäck. Fluggäste sollen nur noch kleinere Koffer mitnehmen dürfen. Verbraucherschützer sind sauer, Kofferhersteller nicht.

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Könnte bald der Vergangenheit angehören: große Rollkoffer im Handgepäck.
Könnte bald der Vergangenheit angehören: große Rollkoffer im Handgepäck.Foto: Kay Nietfeld/dpa

In deutschen Kinderzimmern gibt es ein beliebtes Spiel. „Ich packe meinen Koffer“, sagen die Kinder und zählen dann auf, was sie alles mitnehmen – die Sonnencreme, das Badetuch, das Buch, je mehr desto besser. In der Erwachsenenwelt gelten bald andere Regeln. Wer ein Flugzeug besteigt, sollte sich vor allem in der Kunst des Weglassens üben. Der Weltluftfahrtverband IATA empfiehlt den Fluggesellschaften nämlich, künftig beim Handgepäck strenger zu sein. Nur noch Koffer mit den Maßen 55x35x20 Zentimetern sollten in Zukunft mit an Bord dürfen, schlägt der Verband vor. Das ist etwas kleiner als die derzeit bei Lufthansa, Germanwings oder Air Berlin üblichen 55x40x23 Zentimeter-Trolleys und deutlich kleiner noch als die Board Cases, die der Billigflieger Easyjet erlaubt. Die dürfen nämlich sogar 56x45x25 Zentimeter groß sein.

Weniger Gepäck, weniger Kerosin, weniger Kosten

Und möglicherweise bald der Vergangenheit angehören. Zwar sind die IATA-Vorgaben für die Airlines nicht verbindlich, aber sie sind reizvoll. Wenn die Koffer kleiner werden, spart das Kerosin und damit Geld. Es spart aber auch Zeit, die jetzt noch nach dem Einsteigen und vor dem Abheben für die Suche nach einer Lücke in den Hängeschränken verplempert wird. Und es schont die Nerven der Flugbegleiter.

Das Nachsehen haben die Kunden. „Wird das erlaubte Handgepäck kleiner, ist das eine weitere Möglichkeit für Fluggesellschaften, Kasse zu machen“, sagte der Chef des Bundesverbands der Verbraucherzentralen, Klaus Müller, dem Tagesspiegel. Der Ideenreichtum der Airlines sei schon jetzt groß, wenn es um Extragebühren gehe – sei es für Sitzplatzreservierungen, schnelles Boarding, Snacks oder das Aufgeben von Gepäck. „Das macht die Flugbuchung unüberschaubar und erschwert Verbrauchern den Preisvergleich“, kritisiert Müller. Wenn man schon gegen die Zusatzkosten nichts machen könne, müsse zumindest eines gewährleistet sein: „Extra-Gebühren müssen transparent sein“, fordert der Verbraucherschützer.

Ein Dschungel von Tarifen, Zusatzkosten und Sonderkonditionen

Tatsächlich wird es in Zukunft aber eher noch schwieriger durchzublicken. Während sich Reisende in den vergangenen Jahren daran gewöhnt hatten, bei Easyjet oder Ryanair mit leichtem Gepäck zu reisen, konnten sich Kunden von Air Berlin und Lufthansa-Reisende darauf verlassen, dass sie neben dem Handgepäck wenigstens einen Koffer kostenlos mit auf die Reise nehmen konnten. Bei Air Berlin ist das schon seit einem Monat anders. Wer den billigsten „Just-Fly“-Tarif bucht, muss sich auf Handgepäck beschränken. Koffer kosten zwischen 15 und 40 Euro extra, je nachdem wann und wo man sie hinzubucht. Ähnliches plant die Lufthansa. Sie will im Oktober ein neues Tarifsystem einführen, das die billigsten Tickets für Kunden reserviert, die nur mit Handgepäck unterwegs sind. Bei der Billigtochter Germanwings ist das schon heute so.

Schlecht aber, wenn dann das zulässige Handgepäck auch noch schrumpft. Im Vergleich zu den heute üblichen Maßen würden Lufthansa- und Air-Berlin-Kunden rund zehn Prozent weniger in die Köfferchen stopfen können, hat der Kofferhersteller Samsonite ausgerechnet. Noch deutlich stärker einschränken müssten sich Reisende, die aus den USA kommen. Dort ist es üblich, auch größere Koffer mit an Bord zu nehmen und ins Gepäckfach zu hieven. Für solche Traveller würden die neuen IATA-Regeln Einschränkungen von 40 Prozent bedeuten.

Ein gutes Geschäft für Kofferverkäufer

Noch prüfen die Airlines, ob und wie sie die neuen IATA-Vorgaben umsetzen. Das gilt auch für Easyjet. „Ein allgemeiner Standard für alle Airlines würde Kunden sicherlich helfen“, teilte das Unternehmen auf Anfrage des Tagesspiegels mit. „Wir werden die neue Empfehlung und weitere Anregungen für die Kabine prüfen, um sicherzustellen, dass wir unseren Kunden das bestmögliche Reiseerlebnis bieten.“ Ein Versprechen, nicht an der Gepäckgröße zu schrauben, ist das nicht. Eher das Gegenteil. Die Prüfung könne noch eine Weile dauern, heißt es bei den Fluggesellschaften. Zumindest unter den Airlines, die einen Verbund bilden, sollten gleiche Regeln gelten. Außerdem soll den Kofferherstellern Zeit gegeben werden, Trolleys in den neuen Maßen zu produzieren.

Marktführer Samsonite braucht so viel Vorlauf aber gar nicht. Im Gegenteil: Das Modell „Spinner“ in der Serie „Spark“ entspreche bereits exakt den neu von der IATA empfohlenen Maßen, teilte das Unternehmen stolz auf Anfrage mit. Zwar wisse man noch nicht, welche Airlines wann ihre Handgepäckvorschriften ändern. Aber man sei vorbereitet. „Samsonite kann dann sehr schnell reagieren.“

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