Wirtschaft : Handlungsbedarf beim Handel

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Gastgeber Jacques Chirac hat sich alles so schön vorgestellt: Nach den tiefen Gräben, die der IrakKrieg in die transatlantischen Beziehungen gerissen hat, soll der G-8-Gipfel in Evian für Versöhnung und Aufbruch stehen – auch in der Weltwirtschaft. Doch hinter der Fassade geht es alles andere als harmonisch zu. Seit eineinhalb Jahren verhandeln die 144 Mitgliedsstaaten der Welthandelsorganisation WTO über den Abbau von Handelsschranken wie Zöllen, Subventionen und Exportbeihilfen. Das soll, so das erklärte Ziel der laufenden Welthandelsrunde, vor allem den armen Ländern zugute kommen, die einen besseren Zugang zu den Märkten der Norden erreichen wollen.

Im September geht die Doha-Runde in die Halbzeit, im mexikanischen Cancún müssen die WTO-Länder dann demonstrieren, welche Fortschritte sie bei der Liberalisierung des Handels gemacht haben. Doch die Verhandlungen sind festgefahren – vor allem, weil die Industrieländer sich nicht über das Abschmelzen der Agrarsubventionen einigen können. Die USA drängen auf einen radikalen Abbau, Europäer und Japaner zögern. Eine erste Frist zur Einigung in der Agrarfrage haben die Staaten verstreichen lassen, aber auch im Streit um Billigmedikamente für die Dritte Welt oder die Reform des Dienstleistungssektors haben die WTO-Länder bisher keine Einigung erzielt.

Jetzt setzen viele ihre Hoffnung auf Evian. UN-Generalsekretär Kofi Annan hat die führenden Industrienationen ermahnt, Handelsschranken abzubauen. Auch WTO-Chef Supachai Panitchpakdi hat ein Signal vom Gipfel gefordert „Für die Liberalisierung des Handels läuft uns die Zeit davon.“ Er hört die Uhr ticken – Ende 2004 soll die Doha-Runde beendet sein. Die G-8-Länder zeigen guten Willen: In Evian wollen sie zumindest eine Erklärung zum Handel abgeben – und sich gegenseitig ermuntern, bis Cancún Fortschritte zu machen. pet

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