Wirtschaft : Handwerk im Aufwind

Franzsiska Felber

Neulich hat Karl-Heinz Schneider einem Kunden das Dach saniert. Der sitze jetzt bei Wind und Wetter in seinem gedämmten Dachstübchen und freue sich, dass es dort „mollig und wunderschön“ ist, sagt Schneider, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH).

Dachdecker profitieren davon, dass immer mehr Privatleute ihre Häuser energieeffizient sanieren lassen. Schneider sieht das vor dem Hintergrund der Euro-Krise: Mangels attraktiver Anlagemöglichkeiten investieren Menschen in ihr Wohneigentum. Wärmedämmung, Photovoltaik zur Stromerzeugung und Solarthermie zur Wassererhitzung steigern den Wert. Private Auftraggeber waren laut Schneider auch die treibende Kraft für das Geschäftsjahr 2012.

Zu einer gelungenen Sanierung gehören mehrere Faktoren. „Es hat wenig Zweck, wenn ich mein Dach dämme, aber alte Fenster habe“, sagt Schneider. Auch die Bewohner müssen mitdenken – etwa um bei Styropordämmung den „Plastiktüteneffekt“ zu vermeiden, wie Schneider ihn nennt. Sonst kommt es durch die Dämmung zu gemindertem Luftaustausch, es wird warm und feucht im Haus. Regelmäßiges Lüften gehört dazu. Die meisten Privatleute gehen sowieso voller Idealismus an die energetische Sanierung. Michael Eyberg, Geschäftsführer des Dachdecker-Betriebs Dachland GmbH in Adlershof, sagt: „Das ist auch das psychologische Moment der Unabhängigkeit, das entspricht dem Zeitgeist.“ Durch geringere Heizkosten und weniger Stromverbrauch seien die Bewohner sicherer vor Preisschwankungen.

Die meisten Interessenten kommen laut Eyberg mit vagen Vorstellungen. Einige davon sind völlig überzogen. „Es ist ein Irrtum, dass man mit den Gewinnen, die eine Photovoltaikanlage abwirft, eine komplette Dachsanierung finanzieren kann“, sagt er. Was Fördermöglichkeiten betrifft, kennen sich besonders gut zertifizierte Energieberater aus, die es auch unter Dachdeckern gibt.

Für eine vernünftige Planung empfiehlt Schneider, sich auf die Innungsbetriebe zu verlassen. Michael Eyberg rät hin und wieder auch von einer Maßnahme ab. „Bäume und Nachbarbebauungen werfen manchmal zu viel Schatten auf das Dach, so dass ich keine Photovoltaikanlage empfehle.“ Eine Enttäuschung solle die Sanierung für die Auftraggeber schließlich nicht sein.Franzsiska Felber

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