Wirtschaft : Handwerk ist verunsichert

MÜNCHEN (tmh).Statt wie zuletzt angekündigt rund 50 000 neue Stellen in diesem Jahr zu schaffen, geht das Handwerk nunmehr in Deutschland von einer stagnierenden Beschäftigtenzahl aus.Das sei das Ergebnis einer "tiefen Verunsicherung" kleinerer und mittlerer Betriebe vor allem durch die Steuerpolitik der neuen Bundesregierung, sagte der Generalsekretär des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), Hanns-Eberhard Schleyer, im Vorfeld der Internationalen Handwerksmesse in München.Die bescheidenen Erfolge des Vorjahrs würden 1999 nicht wiederholt.

1998 wuchs der Umsatz des Handwerks in Deutschland real um ein Prozent auf gut eine Billion DM, wobei die Betriebe im Westen um 1,5 Prozent zulegen konnten, im Osten dagegen zwei Prozent Umsatzschwund hinnehmen mußten.Die Zahl der Beschäftigten stieg dabei um ein halbes Prozent auf 6,5 Millionen Personen.Im Westen gab es etwa ein Prozent mehr, im Osten zwei Prozent weniger Handwerker.Für dieses Jahr erwartet der ZDH bei einem gleichen Umsatzwachstum mit anhaltendem Auseinanderklaffen zwischen Ost und West, aber keinerlei Stellenzuwachs.

"Was unseren Betrieben derzeit zugemutet wird, geht auf keine Kuhhaut", begründete Schleyer die Flaute.An Belastungen für das Handwerk nannte er die Bonner Pläne zur Steuerreform, insbesonders die Ökosteuer, eine "unsägliche" 630-Mark-Regelung sowie die vorgesehene Besteuerung beim Verkauf eines Handwerksbetriebs.Die schwache Investitionsneigung im Handwerk leide auch unter einer geringen Vorsteuerrendite von zwei bis drei Prozent.Die Ökosteuer treffe das Handwerk mit besonderer Härte und mache kleinere bis mittlere Betriebe zu den Hauptverlierern der Steuerreform, kritisierte Schleyer.Ausnahmen und Ermäßigungen bei der Berechnung der Ökosteuer führten zu einem "maßlosen" Verwaltungsaufwand, von dem rund 470 000 Vollhandwerksbetriebe betroffen seien, was ein Chaos vorprogrammiere.Ein Gutachten der Uni Göttingen beziffert die Nettobelastung durch die Ökosteuer in der ersten Stufe auf bundesweit 170 Mill.DM.Insgesamt drohe mehr als eine bloße Konjunkturdelle, warnte Schleyer.Harsche Kritik übte er auch an den Handwerkslehrlingen.Viele Bewerber würden notwendige Voraussetzungen für eine Lehre nicht erfüllen.

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