Wirtschaft : Handwerk sieht goldenen Boden

BONN (aho).Das Handwerk blickt wieder optimistischer in die Zukunft.Wie der Generalsekretär des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), Hanns-Eberhard Schleyer, am Donnerstag in Bonn mitteilte, wird die Branche "stärker von der gesamtwirtschaftlichen Erholung erfaßt".Im kommenden Jahr sollen die Umsätze real um 1,5 bis zwei Prozent steigen, 1998 werden es 1,5 Prozent sein.Die Betriebe wollen ihr Personal um weitere 50 000 Stellen wie in diesem Jahr aufstocken.Derzeit stehen 6,49 Mill.Beschäftigte auf den Gehaltslisten.

Als Grund für die Erholung nannte Schleyer "Überschwappeffekte".Lange Zeit sei vor allem der Export die Konjunkturlokomotive gewesen, jetzt lege die Binnennachfrage zu.Insbesondere Metall- und Elektrobetriebe als Zuliefer für die Industrie würden von diesem Trend profitieren.Dort seien fast 70 Prozent der neuen Stellen entstanden.

Dabei laufen die Geschäfte im Osten und Westen unterschiedlich.Nach den Zahlen der Herbstumfrage unter 23 000 Betrieben rechnen 75 Prozent der West-Handwerker in den kommenden Wintermonaten mit gleichen oder besseren Aussichten.In den neuen Ländern blickt dagegen knapp ein Drittel der Betriebe düster in die Zukunft.Zwei Fünftel der Firmen rechnen gar mit sinkenden Umsätzen.Besonders ist davon im Osten die Baubranche betroffen.

Für Schleyer steht der Aufschwung im Handwerk "auf tönernen Füßen".So würden sich die Firmen mit Investitionen zurückhalten wegen der "Unsicherheit der politischen Rahmenbedingungen", sagte er.Die Gesetzentwürfe der rot-grünen Regierung bezeichnete er als "nicht zielgerecht".So würde die Rückkehr zu der 100prozentigen Lohnfortzahlung im Krankheitsfall die Wirtschaft jährlich mit 15 Mrd.DM belasten.Er will deshalb "Öffnungsklauseln".Dadurch soll es möglich werden, daß anstatt der 100prozentigen Lohnfortzahlung tariflicher Urlaub oder Arbeitszeitkonten angerechnet werden könnten, wie es einige Tarifverträge vorsehen.Diese Idee will das Handwerk auch im Bündnis für Arbeit ansprechen.

Schleyer rügte auch die Vorhaben zu den 620-DM-Jobs.Die Lösung sei ein "Bruch des Solidaritäts- und Versicherungsprinzips", weil den Beiträgen in die Sozialkassen keine Leistungen gegenüberstünden.Besser wäre es, die Pauschalsteuer direkt in Kassen einzuzahlen.Außerdem sollten die Jobs nicht bei der 620-DM-Grenze festgeschrieben, sondern im steuerfreien Existenzminiums angesiedelt werden.Widerstand kündigte er gegen den Plan an, die Altersteilzeit auszuweiten.Damit würden kleine Betriebe Entlassungen der Großkonzerne bezahlen.Erneut forderte er eine durchgreifende Steuerreform, die die Sätze für alle reduziert und deutlich netto entlastet.

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