Wirtschaft : Handwerker in bester Stimmung

Die aktuelle Lage wird so gut eingeschätzt wie zuletzt nach der Vereinigung / Jeder fünfte Betrieb will einstellen

Anieke Walter

Berlin - Den Berliner Handwerksbetrieben geht es so gut wie seit fast 20 Jahren nicht mehr. Nach der jüngsten Konjunkturumfrage der Handwerkskammer, die am Dienstag vorgestellt wurde, stieg im Vergleich zum Vorjahr der Geschäftsklimaindex um 13 auf 104 Punkte. „Das ist das beste Resultat einer Frühjahrsumfrage seit 1993 – und damals hatten wir gerade den Boom der Wiedervereinigung“, freute sich Stephan Schwarz, Präsident der Handwerkskammer (HWK). Das Handwerk insgesamt ist relativ optimistisch, was die Ertragslage in diesem Jahr betrifft. Dabei gibt es den größten Stimmungsumschwung im Vergleich zum Vorjahr in den Betrieben des Kraftfahrzeug-Gewerbes. Auch im Baugewerbe ist die Lage deutlich besser geworden. Eher verhalten wird derzeit dagegen die Lage bei personenbezogenen Dienstleistungen wie Friseuren und Kosmetikerinnen eingeschätzt.

Zu der guten Stimmung im Handwerk hätten auch die Maßnahmen des Konjunturpaketes II beigetragen, so Schwarz. Jetzt sei es wichtig, weitere Infrastrukturinvestitionen im Land Berlin vorzunehmen. Schwarz nannte den Weiterbau der A100 und die Sanierung des maroden Straßennetzes. Zudem sei es wichtig, bei dem internationalen Flughafen BBI die Tagesrandzeiten zu nutzen, um im Wettbewerb bestehen zu können. Damit würden neue Arbeitsplätze geschaffen werden.

Auch für die kommenden sechs Monate sind die Unternehmen zuversichtlich. Der Optimismus sei so groß wie zuletzt 1994, betonte Schwarz. „Es muss nun darum gehen, diese Ergebnisse zu verstetigen.“ Besonders die Bereiche der energetischen Gebäudesanierung würden dazu eine gute Möglichkeiten bieten. Dazu sei es jedoch erforderlich, die Sanierungsquote im Berliner Gebäudebestand, die derzeit einen Prozent betrage, weiter zu steigern. Das Land Berlin tue zu wenig, um die Baubetriebe zu halten. Die Sanierungsfördermittel der Investitionsbank Berlin (IBB) für die Jahre 2010 und 2011 seien bereits im Sommer 2010 ausgegeben worden.

Die meisten Betriebe erwarten in diesem Jahr eine weiter steigende Nachfrage hinsichtlich der Auftragslage. Und das wird nach Einschätzung der Kammer auch zu Neueinstellungen führen. Jürgen Wittke, Hauptgeschäftsführer der HWK, sprach von mehreren Tausend neuen Arbeitsplätzen in diesem Jahr. Den Angaben zufolge will fast ein Fünftel der Betriebe in den kommenden Monaten einstellen. Demgegenüber planen aber immer noch elf Prozent der Firmen Entlassungen.

Derweil verschärfe sich das Problem des Fachkräftemangels. Fast jeder vierte Betrieb findet trotz starker Bemühungen kein geeignetes Personal, sagte Wittke. Anieke Walter

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