Wirtschaft : Handy-Aktien: Positive Signale für die einstigen Lieblinge der Börse

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Aktien von Handy-Herstellern sollten eigentlich eine goldene Zukunft haben und eine viel versprechende Anlage darstellen. Denn es gibt wenige Branchen, in denen das Geschäft zurzeit derart boomt wie in der Telekommunikation: Mobilfunkgeräte haben den Sprung vom notwendigen Arbeitsgerät für Geschäftskunden zum trendigen Konsumartikel geschafft. Bei Teens und Twens steht das Handy ganz oben auf der Wunschliste - und das weltweit. Ein Ende des Booms ist noch nicht in Sicht. In vielen Ländern hat erst jeder zweite Haushalt ein Handy. Zudem wird bei den meisten Kunden nach Ablauf des Vertrages ein neues Handy fällig.

Deshalb gehörten die Aktien der Gerätehersteller zu den Lieblingen der Börse. Die hohen Kurse schienen gerechtfertigt, denn vor allem der weltweite Marktführer Nokia verwöhnte die Anleger mit immer besseren Ergebnissen und immer optimistischeren Prognosen. Inzwischen hat sich aber gezeigt, dass auch bei Mobilfunkaktien die Kurse nicht in den Himmel wachsen. Der weltweite Kursrutsch für Hochtechnologiewerte seit März hat auch sie erwischt. Vor allem Motorola, weltweit immerhin zweitgrößter Hersteller, wurde schwer getroffen. Der Kurs hat sich gegenüber dem Höchststand im März fast halbiert. Hinzu kommen jetzt hausgemachte Probleme. Die weltweite Knappheit an Chips und Bauteilen trifft auch die Handyhersteller. Sie müssen Neueinführungen verschieben oder können angekündigte Stückzahlen nicht liefern.

Die Börse bestraft solche Korrekturen sofort mit saftigen Kursabschlägen. Das jüngste Beispiel hierzu lieferte Nokia: Die von der allgemeinen Kurstalfahrt im März kaum betroffenen Finnen legten Ende Juli in ihrem Halbjahresbericht zwar glänzende Zuwachsraten bei Umsatz und Gewinn vor. Im Ausblick kündigten sie aber an, dass der Gewinn für das dritte Quartal geringer ausfallen werde. Die Börse reagierte mit einem Kursrutsch um mehr als 20 Prozent, der Börsenwert des Unternehmens verminderte sich an einem Tag um 57 Milliarden Euro. Von diesem Rückschlag hat sich Nokia noch nicht wieder erholt. Dabei halten Analysten der Aktie überwiegend die Treue. Theo Kitz von Merck Finck & Co. empfiehlt Nokia auf der ermäßigten Basis weiter als Kauf.

Ähnliches passierte Ericsson. Als die Schweden in ihrem Halbjahresbericht Lieferprobleme einräumten und für das Handygeschäft sogar einen Verlust ankündigten, fiel der Kurs sofort um mehr als zehn Prozent. Inzwischen mehren sich bei den Analysten die kritischen Stimmen. Ein Trost für die Branche: Bis auf Philips sind alle großen Handyhersteller auch als Netzausrüster tätig - und hier winkt in den nächsten Jahren eine Flut von Aufträgen. Die Einführung der dritten Mobilfunk-Generation (3G) erfordert weltweit hohe Investitionen in die Infrastruktur. Die Netze müssen ergänzt, aufgerüstet und teilweise sogar neu errichtet werden. Wie begehrt die neuen Mobilfunkdienste sind, zeigt die Versteigerung von UMTS-Lizenzen in Deutschland.

Da international bis zum Jahr 2002 mehr als 80 Lizenzen vergeben werden, winkt den Netzausrüstern nach Berechnungen der BHF-Bank ein Auftragsvolumen von weit mehr als 200 Milliarden Dollar. Analysten erklären sogar, dass nicht die Telefongesellschaften, sondern die Netzausrüster die eigentlichen Gewinner der Einführung des neuen Mobilfunkstandards sein werden. Vor allem bei Ericsson spielt das Geschäft mit der Netzausrüstung eine große Rolle. Es trägt mehr als zwei Drittel zum Konzernumsatz bei. Ericsson betont, man habe weltweit mehr als die Hälfte aller Aufträge in den neuen Mobilfunktechnologien GPRS und UMTS erhalten. WestLB Panmure bezweifelt allerdings in einer aktuellen Studie, dass Ericsson seinen Marktanteil bei der Infrastruktur weiter ausbauen kann. Die Anbieterstruktur werde sich durch den internationalen Markteintritt der Japaner erweitern. Positiv sehen die Analysten, dass Ericsson als einziger Anbieter über ein komplettes Produktportfolio für die 3G-Netze verfüge und Komplettlösungen anbiete. Trotzdem bewerte man Ericsson nur neutral.

Chancen gibt WestLB Panmure dagegen dem Konkurrenten Nokia, der bei der Infrastruktur in der GSM-Mobilfunktechnik sogar Marktführer sei. Die Studie betont, Nokia sei hervorragend positioniert, um eine führende Rolle beim Aufbau neuer Mobilfunknetze zu spielen, da sich die Finnen auf die Internet-Technologie konzentriert hätten und hier mit Spezialisten kooperierten. Die Studie räumt auch Alcatel gute Chancen ein. Durch die Kooperation mit Fujitsu habe man Boden gut gemacht und werde frühzeitig mit Produkten am Markt sein. Ähnliches gelte auch für Siemens. "Siemens scheint für die Einführung der dritten Generation besser positioniert zu sein als dies bei GSM der Fall war", heißt es in der Studie. Siemens profitiere durch die Kooperation mit dem Japaner NEC von dessen Erfahrung mit den 3G-Mobilfunksystemen.

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