Wirtschaft : Handy-Discounter erwartet Preiskampf Simyo-Chef: Wettbewerb wird sich verschärfen

Corinna Visser

Berlin - Der Chef des Mobilfunk-Discounters Simyo erwartet, dass bis zum Jahresende eine Reihe weiterer Anbieter mit Discountangeboten auf den deutschen Mobilfunkmarkt kommen werden. „Ich rechne bis Weihnachten mit drei bis vier neuen Anbietern“, sagte Simyo-Gründer und -Geschäftsführer Rolf Hansen dem Tagesspiegel am Sonntag. „Vielleicht werden es sogar sechs.“ Mit der Einführung von Simyo seien die Preise auf dem Markt schon erheblich unter Druck geraten. „So wird mobil telefonieren für alle endlich günstiger“, glaubt Hansen. Eine Preissenkung bei Simyo stehe jedoch nicht an. „Wir arbeiten mit einer spitz kalkulierten Marge“, sagte Hansen. „Im Moment sehe ich bei unserem Angebot nicht, warum wir mit den Preisen weiter runtergehen sollten.“

Simyo startete Ende Mai. An dem Mobilfunk-Discounter hält der Netzbetreiber E-Plus 90 Prozent, zehn Prozent gehören dem Simyo-Management. Simyo ist der erste Anbieter auf dem hiesigen Markt, der Mobilfunkkarten ausschließlich über das Internet vertreibt. Auf ein subventioniertes Handy muss der Kunde verzichten. Gespräche innerhalb Deutschlands kosten rund um die Uhr 19 Cent pro Minute. Vor dem Telefonieren muss man im Netz ein Guthaben aufladen (Prepaid).

„Keine Shops, kein Vertrieb, keine Boni für Händler – wie sparen Kosten an allen Ecken und Enden“, sagte Hansen. Das Unternehmen beschäftigt nur rund 30 Mitarbeiter. Um die Marke einzuführen, wird Simyo in diesem Jahr aber einen hohen einstelligen Millionen-Euro-Betrag für Werbung ausgeben. Zu der Zahl der Kunden, die Simyo seit dem Start gewinnen konnte, macht Hansen keine Angaben. „Wir freuen uns über den Zuspruch, er liegt über unseren Erwartungen.“ Branchenschätzungen, wonach bereits mehr als 200000 Kunden Simyo nutzen, will Hansen nicht kommentieren. Zur Umsatzerwartung sagte er: „Wir gehen davon aus, dass der durchschnittliche Umsatz im Monat bei Simyo-Kunden höher liegt als bei anderen Prepaid-Kunden.“ Unter dem Strich bedeute dies: „Wir geben pro Kunde weniger Geld aus, weil alles über das Internet läuft, gleichzeitig ist unsere Kundenstruktur wertvoller.“ Da statistisch neun von zehn Bundesbürgern bereits ein Handy besitzen, waren die meisten Kunden von Simyo zuvor Kunden anderer Anbieter. Die Verteilung der Simyo-Kunden entspreche etwa den Marktverhältnissen: T-Mobile und Vodafone stehen jeweils für etwa 40 Prozent, den Rest teilen sich E-Plus und O2.

Wegen der im europäischen Vergleich relativ hohen Mobilfunkpreise hierzulande sieht Hansen großes Potenzial für Mobilfunk-Discounter in Deutschland. Dass Simyo und Base, eine zweite neue Marke von E-Plus, sich in die Quere kommen könnten, glaubt Hansen nicht. Simyo sei für Normal- und Wenig-Telefonierer, Base für Vieltelefonierer. „Beide Marken haben ein komplementäres Angebot“, sagte Hansen. „Da wird es keine Kannibalisierung geben.“

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