Handy-Markt : Nokia verbündet sich mit Microsoft

Nokia versucht einen Befreiungsschlag. Der weltgrößte Handyhersteller verbündet sich mit dem Softwarekonzern Microsoft, um den Abwärtstrend im lukrativen Smartphone-Markt zu stoppen.

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Hand in Hand. Nokia-Chef Elop (links) und Microsoft-Chef Ballmer.
Hand in Hand. Nokia-Chef Elop (links) und Microsoft-Chef Ballmer.Foto: Reuters

Stockholm - Nokia wird Microsofts Betriebssystem Windows Phone 7 als zentrale Smartphone-Plattform übernehmen, kündigten die Unternehmen am Freitag an. Zudem will Nokia weltweit zahlreiche Arbeitsplätze streichen.

Nokia-Chef Stephen Elop sagte, das Unternehmen befinde sich in einem kritischen Augenblick: „Bedeutende Änderungen sind nötig und unvermeidlich.“ Nokia und Microsoft würden sich sehr gut ergänzen. Gemeinsam solle eine „große Bandbreite innovativer Produkte“ entwickelt werden. Der Kanadier Elop, der von Microsoft kommt und seit September im Amt ist, hatte kürzlich große Schwierigkeiten des Unternehmens eingeräumt.

Die Zusammenarbeit mit Microsoft eröffne zudem einen besseren Zugang in den amerikanischen Markt“, betonte Elop. Gerade im wichtigen US-Markt fiel es Nokia bislang deutlich schwerer seine Mobiltelefone zu verkaufen als etwa in Europa. Auch einen Austausch der für ihre Verschlafenheit heftig kritisierten alten Führungsclique bei Nokia kündigte Elop an. Demnach sollen mindestens vier Chefposten, vor allem in der Produktentwicklung, neu besetzt werden.

Bisher liefen die meisten Nokia- Smartphones nur mit dem eigenen Betriebssystem Symbian. Das will Elop nun zugunsten von Microsofts Windows Phone 7 behutsam auslaufen lassen. Schließlich habe Symbian noch immer 200 Millionen Nutzer und er rechne damit, noch weitere 150 Millionen Smartphones mit dem Betriebssystem zu verkaufen. Elop will die Umstellung innerhalb von zwei Jahren durchziehen. Dann komme ein „kritischer Zeitpunkt“ für sein Unternehmen.

An der Börse überwog am Freitag die Skepsis über den angekündigten Strategiewechsel des einst unangefochtenen Marktführers: „Die Chance, dass Nokia damit Erfolg hat, ist minimal“, befand auch die größte nordische Wirtschaftstageszeitung „Dagens Industri“. Die Nokia-Aktie stürzte am Freitag zeitweise um mehr als 13 Prozent auf sieben Euro ab.

Obwohl noch immer jedes dritte weltweit verkaufte Mobiltelefon den Schriftzug Nokia über dem Display trägt, und die Finnen weiterhin ordentliche Gewinne einfahren, steckt der unbeweglich gewordene Konzern in einer tiefen Strukturkrise, die das langfristige Überleben gefährden könnte. Gerade im lukrativen Oberklassemarkt ist Nokia schwach. Konzernchef Elop setzt darauf, dass die Windows-Software die Einführung neuer Handymodelle beschleunigt und seinem Konzern im Kampf gegen Apple und Google den Rücken stärken wird. „Es ist jetzt wieder ein Rennen mit drei Teilnehmern“, sagte er. Nokia Handys hätten den Vorteil, dass sie extrem einfach zu bedienen seien. Diesen Vorteil wolle man in die Partnerschaft mit Microsoft einbringen. „Die Allianz wird gut sein für die Verbraucher. Und darum geht es letztlich“, sagte der Nokia-Chef.

Elop schwor seine Mitarbeiter auf Sparmaßnahmen ein: „Es wird erhebliche Kürzungen geben.“ Genauere Zahlen nannte er nicht. Nokia zählte Ende 2010 knapp 132 500 Mitarbeiter, davon etwa die Hälfte beim Netzwerk-Ausrüster Nokia Siemens Networks. André Anwar

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