Wirtschaft : Handy-Nutzer wollen kein UMTS

Mobilcom-Chef Grenz: Nur 13 Prozent aller Mobilfunkkunden haben Interesse an der neuen Technik

Corinna Visser

Berlin – Das Geschäft mit der Mobilfunktechnik UMTS verläuft nach Einschätzung von Mobilcom-Chef Thorsten Grenz „bisher enttäuschend“. Der Mobilfunkdienstleister habe erst „wenige Tausend“ UMTS-Geräte verkauft. Schlimmer noch: „Nur 13 Prozent aller Mobilfunkkunden möchten in den nächsten 24 Monaten ein UMTS- Gerät kaufen“, sagte Grenz in Berlin. Das habe eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa ergeben. Dennoch ist Grenz optimistisch. UMTS sei ein Produkt, dass man den Kunden erklären müsse. Aber dann laufe es auch: „Wenn ein Kunde sieht, wie schnell UMTS ist, ist er begeistert.“

Mobilcom hatte im Jahr 2000 für rund 8,4 Milliarden Euro eine eigene UMTS- Lizenz ersteigert. Doch die hohen Kosten für die Technik und der Streit mit dem Partner France Télécom haben das Unternehmen im Jahr 2002 in Existenznot gebracht. Inzwischen hat Mobilcom die UMTS-Technik verkauft, die Krise gemeistert und konzentriert sich wieder auf den Vertrieb von Mobilfunkverträgen für die Netzbetreiber T-Mobile, Vodafone und E-Plus. Mobilcom kann seinen 4,2 Millionen Kunden eigene Produkte anbieten und die Preise selbst gestalten, nutzt aber die Technik der Netzbetreiber.

Zwar nutzen bisher nur wenige Kunden UMTS, sie bringen Mobilcom aber offenbar die erhofften Umsatzzuwächse. Viel stärker als auf Kundenzahlen achtet die Branche heute auf den durchschnittlichen Umsatz pro Kunde im Monat. Der liege bei UMTS-Kunden bei mehr als 50 Euro, sagte Grenz: „Das ist ein richtiger Kracher.“ Im Schnitt geben deutsche Mobilfunkkunden nämlich nur 26 Euro im Monat für ihre Mobilfunkgespräche aus.

Dennoch bleibt die klassische Kurznachricht SMS – für die man kein UMTS braucht – der einzige Datendienst, der den Netzbetreibern 2004 nennenswerte Umsätze bringt. Mit SMS werden Datendienste an die 20 Prozent aller Umsätze der deutschen Mobilfunkfirmen ausmachen, ohne SMS nur ein bis zwei Prozent, zitierte Grenz Marktforscher. Auch attraktive Inhalte wie Tore, Ergebnisse und Nachrichten rund um den „Hoffnungsträger Fußball-Europameisterschaft“ hätten nicht funktioniert, sagte Grenz. Die Mobilfunkbetreiber hatten Sportfans zur EM kostenpflichtige Abonnements angeboten. Noch seien solche Angebote ein Zubrot und „nicht von strategischer Bedeutung“. Die Netzbetreiber müssten sich darauf einstellen, dass es so einen Glücksfall wie das Massenprodukt SMS nicht mehr geben werde. Vielmehr gelte es, künftig eine Vielzahl von Angeboten für kleinere Zielgruppen zu entwickeln.

Bisher habe die Konsumzurückhaltung deutscher Verbraucher Mobilcom nichts anhaben können, sagte Grenz: „Wir können nicht erkennen, dass sich die Kunden beim Telefonieren einschränken.“ Die steigende Verschuldung der Haushalte stelle jedoch ein Problem für die Mobilfunkanbieter da. Vor jedem Vertragsabschluss prüfen sie die Bonität des potenziellen Kunden. 20 Prozent der Verträge müsse Mobilcom danach ausschlagen. Mobilcom bietet jetzt jedoch auch einen Vertrag mit Umsatzlimit an. So könnten auch Kunden mit finanziellen Problemen gewonnen werden, ohne dass Mobilcom ein zu großes Risiko eingehe, sagte Grenz.

0 Kommentare

Neuester Kommentar