Handyausrüster : Heuschrecken wollen Balda zerlegen

Die beteiligten Finanzinvestoren bedrängen den Vorstand des Handy-Ausrüsters Balda Teile des Unternehmens abzustoßen. Ihnen ist der Aktienkurs zu niedrig.

Sönke Iwersen
iPhone Balda
Als Zulieferer für das iPhone ist der westfälische Hersteller Balda für Hedge-Fonds äußerst interessant. -Foto: AFP

Berlin - Ausländische Finanzinvestoren wollen das westfälische Traditionsunternehmen Balda in seine Einzelteile zerlegen. Den Fonds, beide Großaktionäre bei Balda, ist der Aktienkurs des Handyausrüsters zu niedrig. Sie drohen mit Konsequenzen. Der Fall könnte die Debatte um den Einfluss von Finanzinvestoren neu entfachen, für die Vizekanzler Franz Müntefering (SPD) im Wahlkampf 2005 den Begriff „Heuschrecken“ geprägt hatte.

In einem gemeinsamen Brief an den Vorstand kritisieren der englische Hedgefonds Audley Capital und der US-Investor Guy Wyser-Pratte, Balda sei wegen seines unklaren Erscheinungsbildes an der Börse extrem unterbewertet. Das Unternehmen solle deshalb seine chinesische High-Tech-Tochterfirma TPK, die Gerüchten zufolge Teile für das iPhone von Apple herstellt, ausgliedern und an die US-Börse Nasdaq oder eine vergleichbare asiatische Börse bringen.

Der Brief, der dem „Handelsblatt“ vorliegt, ist in freundlichem Ton gehalten. Die Investoren lassen aber keinen Zweifel daran, dass sie auch zu schärferen Mitteln greifen könnten. „Wir müssen betonen, dass wir dazu entschlossen sind, die krasse Unterbewertung von Balda zu eliminieren“, heißt es. „Dies könnte dazu führen, dass Aktionäre in Zukunft Einfluss nehmen.“

Dies ist offenbar schon bald der Fall. In zwei Wochen findet in Bielefeld die Hauptversammlung von Balda statt. Obwohl das Unternehmen im nächsten Jahr 100 Jahre alt wird, werden die Aktionäre nicht in Feierlaune anreisen. Obwohl Balda seit Monaten als Lieferant für das weltweit umjubelte iPhone im Gespräch ist, hat die Balda-Aktie im Juli ein Drittel an Wert verloren.

Diese Entwicklung wurmt Audley Capital und Wyser-Pratte, die nach eigenen Angaben zusammen 15 Prozent der Balda-Aktien im Wert von aktuell mehr als 60 Millionen Euro halten. Ihre Erklärung für das Kursdesaster: Im Börsensegment S-Dax, wo Balda notiert ist, werden die wegweisende Technologie und die Wachstumschancen der Tochterfirma TPK kaum wahrgenommen. Balda werde durch seine eigene Tradition gehemmt.

Das angestammte Geschäft – die Herstellung von Handyschalen – ist in der Tat nichts, was die Börse begeistert. Allein 2006 musste Balda zwei Gewinnwarnungen verschicken, der Großkunde BenQ ging pleite, und in Deutschland verschwanden 1000 von 1600 Arbeitsplätzen. Der Kurs brach um bis zu 58 Prozent ein.

2007 dagegen hätte ganz anders werden können. Die chinesische Tochterfirma TPK hat eine wegweisende Technologie für berührungsempfindliche Bildschirme (Touch-Screens) entwickelt. Und obwohl Balda es nie bestätigte, gilt unter Experten als sicher, dass die TPK-Touch-Screens in die iPhones eingebaut werden. Von denen will Apple bis Ende 2008 zehn Millionen Stück verkaufen.

Die Apple-Connection trieb die Balda-Aktie Anfang Juli 2007 auf bis zu zwölf Euro. Seitdem aber ist der iPhone-Bonus komplett weggeschmolzen. Am Freitag notierte das Balda-Papier bei 8,25 Euro – acht Prozent weniger als vor der Balda-Beteiligung an TPK.

Audley Capital und Wyser-Pratte, die in den vergangenen 30 Tagen 20 Millionen Euro verloren haben, sehen das Übel in dem unklaren Bild, das Balda abgibt. „Plastikhandyschalen sind nicht sexy“, sagt ein Audley-Sprecher. In seinem Brief rechnet der Hedgefonds dem Balda-Management vor, wie durch eine Abspaltung von TPK große Summen gehoben würden.

Handyschalen-Hersteller werden – gemessen am Gewinn – an der Börse nur halb so hoch bewertet wie Firmen, die Touch-Screens produzieren. Selbst wenn Balda nur 15 bis 20 Prozent von TPK an die Börse brächte, flössen Balda bis zu 130 Millionen Euro zu.

Ob aus den Plänen der Hedgefonds etwas wird, ist unklar. Vorstandschef Joachim Gut hat bislang nicht geantwortet, ein Konzernsprecher bestätigte lediglich, dass Balda ein Schreiben der beiden Aktionäre bekommen habe, wollte sich aber nicht weiter äußern. Auch Aufsichtsratschef Richard Roy lehnte eine Stellungnahme ab.

Analysten sind ebenfalls zurückhaltend. Thomas Langer von der WestLB hält die Vorschläge der Investoren für eine „suboptimale“ Lösung. Er halte es für wichtiger, dass der Balda-Vorstand das Schalengeschäft in Ordnung bringt, bevor er eine Ausgliederung von TPK angeht. HB

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