Handygebühren : EU-Vertreter stimmen Roaming-Kompromiss zu

Der Weg für niedrigere Auslands-Handygebühren ist frei: Vertreter der EU-Staaten stimmten am Abend in Brüssel einem Kompromisspaket des deutschen EU-Vorsitzes zu.

Brüssel/Berlin - Die Gebühren für den Einsatz des Handys im EU-Ausland sollen auf maximal 49 Cent pro Minute begrenzt werden. Es habe eine "breite Zustimmung" gegeben, hieß es in Brüssel. Damit können nun die EU-Telekommunikationsminister wie geplant Anfang Juni die neuen Regeln verabschieden. Auch das Europa-Parlament muss am kommenden Mittwoch noch zustimmen. Beides gilt jedoch als Formsache.

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) erklärte, es liege nun bei den Europa-Abgeordneten, "ob sie eine rasche Lösung wollen, die bereits in diesen Sommerferien greift". Der Verbraucherschutztarif, der in Zukunft "Eurotarif" heißen soll, wird laut Glos im ersten Jahr für ausgehende Gespräche 0,49 Euro und für eingehende Anrufe 0,24 Euro je Minute - zuzüglich Mehrwertsteuer - betragen. In den darauf folgenden Jahren sänken diese Preisobergrenzen automatisch ab. Damit würden deutliche Entlastungen für die Kunden erzielt, die derzeit noch ein bis drei Euro pro Minute für ein- und ausgehende Gespräche bezahlen müssten.

Glos: Wettbewerb wird nicht gefährdet

Gleichzeitig ist der Eingriff laut Glos so behutsam, dass die Tarifvielfalt bestehen bleibe und der Wettbewerb unter den Betreibern nicht gefährdet werde. "Ein funktionierender Wettbewerb ist langfristig die beste Garantie für niedrige Preise und kundenorientierte Tarifpakete," führte der Bundesminister weiter aus.

Handy-Kunden sollten sich Verbraucherschützern zufolge einen Wechsel zu den neuen EU-Tarifen für Auslandsgespräche gründlich überlegen. "Für den einzelnen Kunden kann es sein, dass der neue Tarif nicht günstiger ist als bereits angebotene Tarife", sagte der Telekom-Experte des Bundesverbands der Verbraucherzentralen (vzbv), Michael Bobrowski. Handy-Firmen bieten bereits heute spezielle Tarife für billigere Auslands-Gespräche an. Jedoch sei die EU-Vereinbarung generell sehr zu begrüßen, weil sie "auf den gesamten Handy-Markt zu einer weiteren Senkung der überhöhten Roaming-Gebühren" führen werde, fügte Bobrowski hinzu.

Neue Tarife gelten wohl erst im Herbst

Im Sommerurlaub können Handy-Kunden die neuen Tarife demnach voraussichtlich ohnehin nicht nutzen. Ab Juli soll eine dreimonatige Frist für Mobilfunk-Firmen gelten, um die neuen Tarife einzuführen. Angesichts der bisherigen Haltung der Anbieter rechne er damit, dass niemand "vorpreschen" werde, sagte Bobrowski. Mit den Tarifen sei deshalb vor dem Herbst wohl nicht zu rechnen.

Auch Bettina Seute vom Verbraucher-Portal teltarif.de sagte, die neuen Obergrenzen lohnten sich für viele Nutzer nicht. "Bei abgehenden Gesprächen wird sich nicht wahnsinnig viel verbessern", sagte sie. Schon heute gebe es ähnlich günstige Tarife von den großen Anbietern. Teils gälten diese Tarife im Gegensatz zu den nun vereinbarten Tarifen auch in Nicht-EU-Ländern. Jeder Kunde solle deshalb genau vergleichen, was für ihn künftig besser sei. Dazu müsse aber abgewartet werden, wie die Tarif-Angebote der Mobilfunk-Betreiber nach Inkrafttreten der neuen Regeln genau aussähen. (tso/AFP)

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