Wirtschaft : Hannover-Messe: Automatisierungsindustrie sieht Erwartungen deutlich übertroffen

Die deutsche Automatisierungsindustrie ist trotz der abschwächenden Konjunktur zuversichtlich. Zwar werde in diesem Jahr das hohe Wachstum von 2000 nicht mehr erreicht, aber die Branche rechne trotz allem mit einem Plus von sechs bis sieben Prozent, sagte Karl-Heinz Lust, Vorstandsmitglied des Fachverbandes Automation im Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) am Montag auf der Hannover Messe.

Sowohl bei der Produktion als auch bei den Auftragseingängen könne für das erste Quartal 2001 immer noch ein deutlicher Anstieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum festgestellt werden. "Wir erwarten allerdings eine weitere Abschwächung des Wachstums in der zweiten Jahreshälfte", räumte Lust ein. Der außerordentlich positive Geschäftsverlauf im Jahr 2000 stimmt die Branche auch weiterhin optimistisch: Im vergangenen Jahr stieg die Produktion in Deutschland um beinahe zwölf Prozent auf knapp 50 Milliarden Mark (rund 25 Milliarden Euro). Damit seien "selbst unsere optimistischen Annahmen noch deutlich übertroffen" worden, erklärte Lust. Vor allem die Exporte entwickelten sich positiv: Sie konnten im Jahr 2000 mit 15,7 Prozent erheblich gesteigert werden, die Quote lag damit bei über 60 Prozent. Der Weltmarkt für Automation umfasste nach ersten Schätzungen des Verbandes im vergangenen Jahr etwa 310 Milliarden Mark.

Die Automatisierungsindustrie spielt bei der Hannover Messe traditionell eine große Rolle, allerdings haben die neuen Technologien auch in dieser Branche einen Wandel bewirkt. "Der Schwerpunkt bei der Automation von morgen verlagert sich somit mehr und mehr von der Datenerzeugung hin zur Daten- und Informationsverarbeitung", erklärte Vorstandsmitglied Michael Ziesemer. Nicht nur Produktionsbereiche, auch Geschäftsprozesse sollen in Zukunft automatisiert werden; die gesamte Wertschöpfungskette eines Unternehmens müsse in Zukunft berücksichtigt werden. Dazu gehören auch erfolgreiche E-Business-Modelle. Vorstandsmitglied Gunther Kegel warnte die Unternehmen allerdings davor, sich vorschnell in Internetunternehmungen zu stürzen: "Die Pleiten zahlreicher Dot-Com-Firmen haben gezeigt, dass nur ein durchdachtes, firmenspezifisches E-Business-Modell unter Berücksichtigung der jeweiligen Unternehmensspezifika wie Produkt- und Leistungsportfolio, Kunden-, Preis- und existierender Vertriebsstrukturen überhaupt eine Erfolgschance haben können", mahnte er.

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