Hans Dieter Pötsch : Nur ein Finanzfachmann

Als Vorstandschef wurde ein Ingenieur gesucht – und nicht gefunden. Hans Dieter Pötsch ist Vertrauter Winterkorns.

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Ein Herz und
Ein Herz undFoto: picture alliance / dpa

Die Alten, so war am Donnerstag in Wolfsburg zu hören, gehen doch erst dann, wenn sie nicht mehr können. Ein andere Erklärung fällt auch keinem ein in der 550 000 Köpfe umfassenden Belegschaft: Der große, alte Mann muss krank sein. Und offenbar hat sich Ferdinand Piëch relativ kurzfristig zum Rückzug entschieden, denn eine optimale Nachfolgelösung ist dem großen Strategen nicht geglückt. Für sich selber schon, an die Spitze des Aufsichtsrats kommt mit Martin Winterkorn genau der Mann, der Piëch am ähnlichsten ist und sein volles Vertrauen hat. Aber die Nachfolge Winterkorns als Vorstandsvorsitzender hat den beiden Weggefährten Kopfzerbrechen bereitet. Am Ende blieb nur Hans Dieter Pötsch – und damit die beste unter den schlechten Möglichkeiten.

Gegen den Finanzvorstand spricht, dass er Finanzvorstand ist, ein Controller und Finanzer und damit einer, der keine Ahnung von Autos hat. Der Erfolg der deutschen Autohersteller, egal ob BMW oder Audi, VW oder Mercedes, wird auch gerne damit begründet, dass immer ein Ingenieur an der Spitze stand. Auch im VW-Vorstand sitzen Ingenieure. Produktionsvorstand Michael Macht (53) etwa, ein Maschinenbauer, der von der VW-Tochter Porsche nach Wolfsburg kam. Oder Jochem Heizmann (60), der für China zuständig ist. Winterkorn und Piëch waren nicht überzeugt – und wählten also mit Pötsch einen Vertrauten, denn der verantwortet seit zehn Jahren die Finanzen in dem Riesenkonzern.

„Inzwischen weiß der, wie man eine Schraube dreht“, heißt es in der Zentrale über den 1952 in der Nähe von Linz geborenen Finanzfachmann. Trotzdem gilt er als eine Art Übergangslösung, bis Winterkorn einen Ingenieur gefunden hat.

Pötsch ist rumgekommen. Seine Laufbahn begann er Ende der der 70er Jahre als Controller bei BMW. Dann ging er als Geschäftsführer Finanzen zum Maschinenbauer Trumpf in die Nähe von Stuttgart, von dort zu Traub ins schwäbische Reichenbach und schließlich zum Autozulieferer Dürr, wo er den Vorstand leitete. Seit 2003 ist der ruhige, unauffällige und unumstritten sachkundige Finanzmann bei Volkswagen. Doch künftig ist er da nicht mehr für die Zahlen, sondern das große Ganze zuständig.

Der Konzern ist gesund und hat in den vergangenen Jahren Marktanteile gewinnen und die Profitabilität erhöhen können. Doch Piëch hat ein Konglomerat zusammengekauft, das an manchen Stellen keineswegs rund läuft. Die Integration der VW Nutzfahrzeuge mit Scania und MAN verläuft zäh. Und obwohl zum Konzern inzwischen ein Dutzend Marken gehören – neben VW und Audi sind das im Pkw-Bereich noch Skoda, Seat, Bentley, Bugatti und Lamborghini – gibt es durchaus Regionen in der Welt, wo kaum VW gefahren wird. In großen Teilen Asiens zum Beispiel, mit der Ausnahme Chinas, wo der Konzern vor Jahrzehnten schon im Geschäft war und heute eine Fabrik nach der anderen eröffnet. Aber wenn das Ziel erreicht werden soll, bis 2018 Toyota als größten Hersteller abzulösen, dann muss VW zum Beispiel auch in Zukunftsmärkten wie Indien, Vietnam oder Indonesien reüssieren. Und in den USA ist auch noch Luft nach oben.

Intern wird Pötsch die Hilfe Winterkorns brauchen, der wegen seiner rustikalen Art bisweilen als „Ayatollah von Wolfsburg“ tituliert wird, dessen technologische Kompetenz aber ebenso wie die von Piëch bei den Zehntausenden von Technikern und Ingenieuren im VW-Konzern nie in Frage stand. Vielleicht ist das der spannendste Punkt bei dieser Personalrochade: Wie verkraftet Winterkorn die Doppelbelastung als Aufsichtsratsvorsitzender und Hilfs-Vorstandschef an der Seite von Pötsch?

Aber wenn Winterkorn, der mit Piëch in den 80er Jahren bei Audi zusammenarbeitete, seine Rolle so spielt wie das über viele Jahre sein Vorgänger und Vorbild Piëch vermochte, dann könnte das einige Jahre funktionieren. Bis dann irgendwann die Gesundheit nicht mehr mitmacht.

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