Wirtschaft : Hans Wall will an die Börse

Berliner Stadtmöblierer hofft nach einem Rekordjahr auf neue Großaufträge – Kapitalmarkt soll Expansion schon 2007 finanzieren

Henrik Mortsiefer

Berlin - Der Berliner Stadtmöblierer und Außenwerber Wall peilt ein neues Rekordjahr an und hält einen Börsengang schon im kommenden Jahr für möglich. Sollte die Wall AG im Frühjahr 2007 den Zuschlag für die Aufstellung von Bushäuschen und City-Toiletten in Hamburg erhalten, müsse das Unternehmen Personal und Fertigungskapazitäten deutlich aufstocken. Das nötige Kapital für die Investitionen will sich Vorstandschef Hans Wall an der Börse besorgen. „Wenn wir Hamburg bekommen, führt kein Weg an der Börse vorbei“, sagte Wall am Dienstag bei der Vorlage der Geschäftsergebnisse für 2005.

Der Mittelständler produziert in einem eigenen Werk im brandenburgischen Velten moderne Bushaltestellen, Stadttoiletten und Werbetafeln und stellt sie Städten umsonst zur Verfügung. Die Finanzierung – auch für Wartung und Pflege – erfolgt durch Werbeeinnahmen.

Mit weltweit 562 Beschäftigten, davon 300 in der Region Berlin-Brandenburg, und einem Umsatz von 125 Millionen Euro im vergangenen Jahr ist Wall auf Expansionskurs. 2005 erzielte das Unternehmen, das in Deutschland einen Marktanteil von 30 Prozent hat, nach eigenen Angaben das beste Ergebnis seiner 30-jährigen Geschichte. Der Überschuss stieg von 5,5 auf 6,4 Millionen Euro. Im laufenden Jahr sollen die Erlöse zweistellig wachsen, außerdem plant Wall 30 Neueinstellungen.

Große Hoffnungen setzt das Unternehmen auf Ausschreibungen für die Außenwerbung in deutschen Großstädten. Nach dem Besitzerwechsel bei der Deutschen Städte-Medien DSM vergeben viele Städte, darunter Hamburg, Hannover, Frankfurt am Main oder Essen, ihre einst öffentlich betriebene Stadtmöblierung. Zuletzt hatte Wall den Zuschlag in Freiburg gewonnen. „Die deutsche Außenwerbung wird neu gemischt“, sagte Wall. „Und wir sind gut auf den Wettbewerb vorbereitet.“ Bis ins Jahr 2010 finden in 20 deutschen Städten mit mehr als 100 000 Einwohnern Ausschreibungen statt. Wall ist darüber hinaus am Erwerb der VVR interessiert, der Werbetochter der Berliner Verkehrsbetriebe.

Ein Großauftrag in Hamburg, wo allein 3000 Bushäuschen aufgestellt werden müssten, wäre den Berlinern willkommen. „Eine bessere Börsenstory kann man sich gar nicht vorstellen“, sagte Hans Wall. Die Chancen stünden gut, dass man den Zuschlag bekomme. „Und nach Hamburg kommt dann München“, gab sich der Unternehmenschef zuversichtlich. Auch die Verhandlungen mit der Stadtverwaltung von Moskau über die Lieferung von 100 City-Toiletten zum Stückpreis von 200 000 Euro liefen „aussichtsreich“. In der vergangenen Woche habe Wall zudem ein Angebot für die Stadtmöblierung von Hannover abgegeben. Wall sprach hier von einem „sehr mutigen Investitionsvolumen“.

Im Veltener Werk produziert Wall derzeit nach Angaben von Technik-Vorstand Alexander Pietz an der Kapazitätsgrenze. So wird gerade ein Auftrag der Stadt Dortmund abgewickelt, die anlässlich der Fußball-WM ihre von Wall betriebenen City-Toiletten, Stadtinformationsanlagen und Plakatsäulen modernisieren lässt. Nach Berlin und Freiburg baut Wall in Dortmund auch sein Internetportal in der Außenwerbung auf, mit dem folgende digitale Dienste an Terminals aufs Handy geladen werden können: Stadtkarten, Veranstaltungskalender, Hotel- und Gastrotipps sowie Informationen zu Einkaufsmöglichkeiten.

Die Wettbewerbssituation in der Außenwerbung hat sich nach Ansicht von Hans Wall zuletzt insgesamt verschärft, „weil viele verstanden haben, dass man viel Geld damit verdienen kann“. Wall sei mit seinem besonderen Design und der Betonung auf Qualität „made in Berlin-Brandenburg“ aber gut aufgestellt und attraktiv für manchen Stadtkämmerer. „Unser Konzept geht auf.“

Wall vermarktet in mehr als 60 Großstädten in sieben Ländern knapp 26 000 Werbeflächen, 17 500 davon in Deutschland. Als einziger deutscher Außenwerber ist Wall nach eigenen Angaben auch in den USA, in Boston, erfolgreich. An der Aktiengesellschaft ist neben der Familie Wall der französische Konkurrent JCDecaux zu 35 Prozent beteiligt.

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