Wirtschaft : Hapag-Lloyd verdreifacht seinen Gewinn

HAMBURG .Der Tourismus- und Reedereikonzern Hapag-Lloyd ist nach der Eingliederung in die Preussag in eine neue Dimension gewachsen.Durch die Übernahme der Mehrheit am Reiseveranstalter TUI haben sich Umsatz und Beschäftigte verdoppelt.Der Gewinn wurde mehr als verdreifacht, wobei die Zahlen sogar nur neun Monate umfassen."Das muß betriebswirtschaftlich gemanagt werden, aber auch mental-kulturell", sagte der Vorstandsvorsitzende der Hapag-Lloyd AG, Bernd Wrede, am Mittwoch in Hamburg.Aus der einstigen Reederei ist ein Tourismusunternehmen geworden, an dem die Schiffahrt nur noch einen Anteil von einem knappen Fünftel ausmacht.

Wrede legte für ein Rumpfgeschäftsjahr vom 1.Januar bis 30.September 1998 zur Anpassung an das Geschäftsjahr der neuen Konzernmutter Preussag gute Zahlen vor: Bei einem Umsatz von 11,8 Mrd.DM erreichte der Konzerngewinn von Hapag-Lloyd vor Steuern 352 Mill.DM.Die Eigenkapitalrendite nach Steuern stieg auf 19 (Vorjahr: 15,7) Prozent.Zum sechsten Mal in Folge erhöht die AG die Dividende und zahlt trotz des verkürzten Geschäftsjahres 25 (20) DM je 50-DM-Aktie.Das Kapital liegt allerdings fast komplett bei der Preussag.Mit dem Vorjahr sind die Umsatz- und Gewinnzahlen wegen der veränderten Konzernstruktur allerdings kaum zu vergleichen.Wrede machte deutlich, daß sich Hapag-Lloyd auch ohne die TUI-Mehrheit gut entwickelt hätte: Der Gewinn vor Steuern ohne die Abschreibung auf den TUI-Kauf lag bei 509 Mill.DM, davon entfallen 308 Mill.DM auf die alte Hapag-Lloyd-Gruppe.Trotz einer von 22 auf 18 Prozent gesunkenen Eigenkapitalquote habe Hapag-Lloyd bei der Solidität der Bilanz keine Abstriche gemacht, betonte Wrede.Die Investitionen lagen mit 1,1 Mrd.DM durch den Kauf der TUI-Anteile auf Rekordhöhe; dennoch ist der Konzern bei den Finanzen mit 400 Mill.DM im Plus.

In den Hauptgeschäftsbereichen Tourismus und Schiffahrt verlief die Ertragsentwicklung entgegengesetzt: Die Touristik profitierte von der Nachfrage nach Pauschalreisen und verbuchte bei einem Umsatz von 9,3 Mrd.DM ein "erfreuliches Betriebsergebnis".Dazu trugen laut Wrede die Hapag-Lloyd-Fluggesellschaft und die TUI in gleichem Maße bei.Anders in der Schiffahrt: Wegen der Asienkrise gingen die Frachtraten auf einigen wichtigen Routen, und auch das Ergebnis zurück."Wir haben unser Transportvolumen in diesen neun Monaten um 18 Prozent steigern können gegenüber einem Marktwachstum von zwei Prozent", sagte Wrede.

Viele Wettbewerber hätten in Asien Ergebnisrückgänge oder Verluste verbuchen müssen."Unser Gewinn war nur möglich, weil wir das Mengenwachstum mit gleicher Personalstärke realisiert haben", sagte Wrede.Er sei zuversichtlich, daß in der Asienkrise das schlimmste überstanden sei und prognostizierte für das Gesamtunternehmen eine stabile Ergebnisentwicklung.Das hängt allerdings nicht mehr maßgeblich von der Schiffahrt ab: Der Tourismus steuert operativ mehr als sechsmal soviel zum Gewinn bei wie das Schiffahrtsgeschäft.

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