Wirtschaft : „Harte Fälle geben wir an Inkassofirmen“

Christine Licci, Chefin der Citibank Deutschland über Bankenkrise, Kostenkontrolle und Frauen im Topmanagement

-

Frau Licci, das VorsteuerErgebnis der Citibank ist im vergangenen Jahr um fast 13 Prozent auf rund 670 Millionen Euro gestiegen – was machen Sie anders als andere Banken?

Unsere Linie bleibt: Ein klar eingegrenztes Geschäftsmodell, Innovationen, eine intensive Beratung der Kunden und strikte Kostenkontrolle. Prinzipiell gilt, dass jeder im Unternehmen mit dem Geld so umgehen muss, als wäre es sein eigenes. Wir haben Kostenmanagement im Blut.

Und das heißt?

Für jeden Euro, den wir umsetzen, haben wir Kosten von nur 44 Cent.

Bei anderen Banken liegt die Quote bei über 70 Cent. Trotzdem: In den Filialen ist das Geschäft derzeit für alle schwierig.

Deshalb versuchen wir unsere Mitarbeiter dort einzusetzen, wo sie ihre Stärken haben. Filialangestellte zum Beispiel sind gut im direkten Kontakt mit den Kunden. Also halten wir ihnen den Rücken frei von Verwaltungsaufgaben. Die Folge: Die Hälfte ihrer Zeit kümmern sie sich um Kunden, in Spitzenzeiten sind es sogar 70 Prozent. In der Branche liegt der Schnitt bei nur 20 Prozent.

Filialen und Beratung sind trotzdem teuer. Gerade in diesen Zeiten sind die Kunden vorsichtig, schließen nur zögernd Geschäfte ab.

Das ist richtig. Mitunter braucht es zur Zeit zwei oder drei Kundengespräche. Aber eine intensive und kostenaufwändige Beratung zahlt sich auf lange Sicht aus. Unsere Zahlen zeigen heute schon, dass wir richtig liegen.

Es bleiben hohe Kosten.

Um so wichtiger ist es, neben dem Internet den teuren Vertriebsweg Filiale effizient zu gestalten. Deutschland hat eigentlich zu viele Filialen. Jede Zweigstelle betreut im Schnitt der Branche nur 1500 Kunden. Bei uns aber sind es mehr als 3000. Wir stehen nicht vor der Frage, Filialen schließen zu müssen, wir bauen sukzessive aus. 2003 kommen vier neue Investment-Center dazu.

Gibt es den typischen Citibank-Kunden?

Wir sprechen längst alle Kunden an, unabhängig vom Einkommen. Es geht nicht mehr nur um den klassischen Konsumkredit oder das Sparbuch. In der Vermögensberatung sind wir sogar eine der wenigen Banken, die Marktanteile gewinnen.

Auch im Kreditgeschäft läuft es bei der Citibank ganz gut. Wie passt das zur schleppenden Konsumlust?

Wir sind schneller als andere. Wenn alle Unterlagen vorliegen, hat der Kunde nach 30 Minuten unsere Entscheidung.

Andererseits aber steht die Citibank immer wieder in der Kritik, weil sie mit säumigen Kreditkunden ziemlich grob umspringt.

Wir versuchen frühzeitig mit Kunden in Kontakt zu treten, wenn wir das Gefühl haben, es könnte Probleme geben. Die allermeisten Kunden setzen sich dann mit uns zusammen. Sollte ein Kunde durch Arbeitslosigkeit oder langfristige Krankheit in Schwierigkeiten kommen, helfen wir ihm, zum Beispiel mit Ratenherabsetzungen. Nur bei harten Fällen schalten wir Inkassofirmen ein. Zugegeben: In der Vergangenheit waren wir weniger flexibel als heute. Das haben wir geändert. Wir arbeiten mittlerweile mit sehr vielen Schuldnerberatern gut zusammen.

Haben wir eine Bankenkrise?

Die deutschen Banken haben ein Strukturproblem. Das verstehe ich aber nicht als Bankenkrise, die Branche steckt in einem Strukturwandel. Anders ausgedrückt: Die Branche ist für die heutige Zeit nicht mehr richtig aufgestellt. Wenn die Anpassungen umgesetzt sind, werden die deutschen Banken stärker dastehen als je zuvor.

Die Konsolidierung geht also weiter?

Die Branche wird in einigen Jahren schlanker aussehen. Wer mit wem fusioniert, ist schwer zu sagen. Aber nicht jeder wird künftig alles machen, sondern sich auch im Privatkundengeschäft auf das konzentrieren, was er am besten kann. So wie die Citibank das heute schon tut.

Gibt es Optionen für die Citibank?

Wenn sich Interessantes auftut, werden wir uns das anschauen. Aktuell ist das aber kein Thema.

Wie ist Ihr Verhältnis zur Konkurrenz in Frankfurt?

Und in Bonn: Die Postbank ist nicht zu vergessen. Wir reden miteinander. Was uns besonders freut, sind die Komplimente der Konkurrenz. Mitunter denke ich, was wir aus den bedeutend größeren Kundenkontakten mancher Wettbewerber machen könnten...

Sie sind die einzige Frau an der Spitze einer großen Bank. Warum ist das so?

Ich weiß es nicht. Sicher ist: Frauen sind in den Führungsetagen nicht nur der Banken auf dem Vormarsch. Anfang der 90er Jahre lag ihr Anteil bei 8,5 Prozent, mittlerweile sind es gut 20 Prozent. In der Citibank sind es sogar 30 Prozent. Der Trend ist ermutigend. Zu meiner Person: Ich bin nicht anders als andere Citibanker. Dass ich an der Spitze stehe, hat mit der Citibank zu tun und nicht mit meiner Person. Wenn jemand gut ist, werden ihm keine Steine in den Weg gelegt.

Sie sehen demnächst auch Frauen in den Vorständen der Großbanken?

Ich würde es sehr begrüßen. Sicher ist: Die Zeiten, als ich für meine eigene Assistentin gehalten wurde, sind vorbei.

Das Gespräch führte Rolf Obertreis.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben