Wirtschaft : Harte Fronten im Streit um Fußball-Rechte

Bundesgerichtshof entscheidet am 16.Dezember über die Vermarktung der TV-Rechte

KARLSRUHE (AFP).Der Bundesgerichtshof (BGH) verkündet am 16.Dezember sein Urteil zur zentralen Vermarktung der Fernseh-Rechte von Uefa- und Europapokal-Fußballspielen durch den Deutschen Fußballbund (DFB).Bei der mündlichen Verhandlung am Dienstag in Karlsruhe stritten Vertreter des DFB und des Bundeskartellamtes darüber, ob die Vereine als Wirtschaftsunternehmen die eigentlichen Veranstalter der Pokalwettbewerbe sind und damit auch über die Vermarktung der TV-Rechte selbst entscheiden dürfen.Dies hatte das Bundeskartellamt gefordert und den DFB verklagt, weil der Verband 1989 die Vermarktung der Pokal-Heimspiele an sich gezogen hatte. Bei der Verhandlung vor dem BGH-Kartellsenat bezeichneten DFB-Vertreter die an den Pokalspielen beteiligten Clubs als "reine Nutznießer".Sie seien weder für die Organisation der Pokalspiele mitverantwortlich, noch gingen sie mit ihrer Teilnahme ein wirtschaftliches Risiko ein.DFB-Anwalt Otfried Lieberknecht betonte, daß die Uefa zudem die Wettbewerbe von der "Champions League" bis hin zum Uefa- und Europapokal erfunden und damit den Marktwert der Übertragungsrechte erst geschaffen habe.Laut Lieberknecht zahlen TV-Sender für die Übertragungsrechte an einem Freundschaftsspiel zwischen zwei bedeutenden Mannschaften maximal bis zu 300 000 DM; treffen dieselben Clubs dagegen in einem Pokalspiel aufeinander, dann kosteten die Rechte zwischen einer Mill.und zehn Mill.DM.Dies zeige, daß nur die Uefa und deren nationale Mitgliederverbände die Ausrichter und Hauptproduzenten der Pokalspiele seien. Lieberknecht warnte das Gericht, "ein System zum Einsturz zu bringen, das alle zufriedenstellt".Weder die Fußball-Vereine noch die Käufer der Fernsehrechte beklagten die zentrale Vermarktung.Wenn jeder Verein eigenständig über TV-Rechte entscheiden könne, würden attraktive Spiele bald nur noch im Pay-TV gezeigt, sagte der Jurist. Der DFB nimmt laut BGH-Präsident Karlmann Geiss durch die zentrale Vermarktung der Uefa- und Europapokalheimspiele rund 60 Mill.DM in der Saison ein.Davon werden rund sechs Mill.DM an die Uefa abgeführt und der Rest in einen "Live-Pool" einbezahlt.Aus diesem Topf verteilt der DFB etwa 10,8 Mill.DM im Verhältnis 70 : 30 an die Vereine der ersten und zweiten Bundesliga.Die am Cup teilnehmenden deutschen Clubs erhalten etwa eine Mill.DM für jede erfolgreiche Runde.Wie am Rande der Verhandlung bekannt wurde, erzielen demgegenüber große ausländische Vereine mit der Einzelvermarktung ihrer Heimspiele bis zu fünf Mill.DM. Sollte der Bundesgerichtshof wie bereits zuvor das Berliner Kammergericht zu der Ansicht kommen, daß der DFB mit der zentralen Vermarktung gegen das Kartellrecht verstößt, bliebe dem DFB noch der Gang nach Brüssel.Bei den Wettbewerbsbehörden der Europäischen Union könnte der Verband sich dann die zentrale Vermarktung durch eine sogenannte Freistellung genehmigen lassen.Daß das geht, zeigt das Beispiel der Champions League.Diese Meisterklasse wird von der Uefa zentral vermarktet ­ den Freistellungsantrag dazu hat sie schon vor Jahren in Brüssel gestellt. Der BGH-Vorsitzende Geiß betonte ausdrücklich, daß das Urteil zur Vermarktung der Pokal-Spiele nicht automatisch auf die Verhältnisse in der Bundesliga übertragen werden kann.Der DFB befürchtet, daß durch eine neue Regelung reiche Fußball-Clubs noch reicher werden und Zweitligavereine pleite gehen.

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