Wirtschaft : Harte Konkurrenz für Deichmann

Reno und Hamm schließen sich zum größten Schuhhändler Europas zusammen

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Osnabrück Die Schuh-Handelsunternehmen Reno und Hamm schließen sich zusammen. Mit insgesamt 1700 Filialen und Verkaufsstellen rückt die neue HR Group damit an die Spitze des europäischen Schuhhandels und macht der bisherigen Nummer eins der Branche, Deichmann, die Vormachtstellung streitig. „Wir erhöhen finanziell und strukturell unsere Schlagkraft für weiteres Wachstum in Europa“, sagte Matthias Händle, Vorsitzender der Geschäftsführung der HR Group, dem „Handelsblatt“. Für die nahe Zukunft schloss Händle auch einen Börsengang der Gruppe nicht aus.

Der Zusammenschluss des bisher auf Schuhabteilungen in Warenhäusern konzentrierten Schuhhandels-Unternehmen Hamm und dem Schuhfilialisten Reno (Reno, Payless) ist das Ergebnis einer vor sechs Jahren gestarteten Kooperation. Bereits 1999 hatte sich die seit 110 Jahren im Schuhhandel tätige Familie Hamm aus Osnabrück mit 25 Prozent an Reno beteiligt. Der Handelskonzern Metro hatte Reno 1998 mit anderen Tochtergesellschaften wie Vobis in die Beteiligungsgesellschaft Divaco ausgegliedert und zum Verkauf gestellt. Eine vollständige Veräußerung Renos gelang Divaco-Vorstand Siegfried Kaske allerdings nicht. Die restlichen 75 Prozent übernahm der Manager schließlich selbst.

Beide Unternehmen vereinigten sich jetzt durch den Tausch von Anteilen. An der HR Group halten die Familie Hamm – in der dritten Generation vertreten durch Matthias Händle – und der Ex-Metro-Manager Kaske jeweils 50 Prozent. Die operative Führung liegt bei der Familie Hamm. Kaske bleibt dem neuen Unternehmen lediglich als Vorsitzender des Beirats verbunden.

Der Schuhmarkt schrumpft seit Jahren. Einer Studie der Kölner Unternehmensberatung BBE zufolge profitieren davon preisaggressive Schuhfilialisten wie Deichmann und Reno sowie branchenfremde Discounter wie Tchibo, Lidl und Aldi. „Die Pro-Kopf-Ausgaben für Schuhe sinken, während die Zahl der verkauften Paare steigt“, sagt Hansjürgen Heinick von BBE. Die Konsolidierung der Branche ist bereits in vollem Gang – auf Kosten des unabhängigen Fachhandels. In den vergangenen elf Jahren reduzierte sich die Zahl der Schuhgeschäfte in Deutschland um ein Viertel auf 11000. Diesen Niedergang will der Schuheinkaufsverbund Ariston-Nord-West-Ring stoppen. Unter dem Logo „Best Partner“ schlossen sich in den vergangenen zwölf Monaten 200 Facheinzelhändler mit 240 Schuhgeschäften zusammen.

Mit der Fusion von Hamm und Reno erreicht die Konzentration ihren vorläufigen Höhepunkt. Der neue Branchenprimus macht einen Jahresumsatz von 500 Millionen Euro und beschäftigt 6000 Mitarbeiter. Anders als Deichmann, das sich im Juni noch durch den Kauf der beiden Traditionsmarken Elefanten und Gallus stärkte, will HR weiter aus eigener Kraft wachsen. Zukäufe seien nicht geplant, sagte Händle. In Deutschland sollen bis Ende 2006 bis zu 100 neue Filialen und Flächen hinzukommen. tak/HB

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