Wirtschaft : Harte Landung

Airbus kommt in der Realität an: Der Mutterkonzern EADS befürchtet hohe Verluste. Und die Entwicklung des A380 wird viel teurer

Bernd Hops,Nicole Huss

München/Berlin/Paris - Der Flugzeughersteller Airbus wird für die Mutter EADS zu einem dauerhaften Problem. Der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern kündigte am Mittwoch an, dass die bislang ertragreiche Tochter für 2006 voraussichtlich Verluste ausweisen wird. Damit könnte auch der Gesamtkonzern in die roten Zahlen rutschen. Außerdem warnte EADS, dass weitere Kosten für den A380, bei dem es große Probleme mit der Produktion gibt, nicht auszuschließen sind. Der Kurs der EADS-Aktie sank um drei Prozent auf 24,91 Euro.

Seit dem vergangenen Sommer ist EADS um Schadensbegrenzung beim A380 bemüht. Vor allem der Standort Hamburg geriet in die Kritik. Bürgermeister Ole von Beust sieht ihn weiterhin gesichert. Allerdings werden Entscheidungen über einschneidende Umstrukturierungen erst nach der französischen Präsidentschaftswahl im kommenden Mai erwartet.

Den Verlust bei Airbus erklärte Airbus-Chef Louis Gallois in Paris mit den Kosten für die Verspätung beim Riesenairbus A380, den Entwicklungskosten für die neue A350 XWB sowie ersten Aufwendungen für den Sparplan „Power8“. Finanzchef Hans-Peter Ring fügte an, dass zudem beim A380 einige für 2007 erwartete Belastungen zeitlich vorgezogen würden. „Wir wollen das neue Jahr auf solider Basis beginnen“, sagte Gallois.

In einer Mitteilung hieß es, der Konzern gehe davon aus, dass die übrigen Sparten wie der Hubschrauber-Hersteller Eurocopter den Airbus-Verlust „in etwa“ ausgleichen könnten. Analysten sind weniger optimistisch. Winfried Becker vom Bankhaus Sal. Oppenheim rechnet für EADS mit einem Jahresverlust von bis zu 100 Millionen Euro. Die Zusatzkosten für den A380 schätzt er auf eine Milliarde Euro allein für 2006. Wegen Problemen mit der Verkabelung wird das größte Passagierflugzeug der Welt nun im Oktober 2007, zwei Jahre später als geplant, ausgeliefert. „Dass da noch einmal so ein großer Brocken draufkommt, hatte ich nicht erwartet“, sagte Becker. Auch Stefan Maichl von der Landesbank Baden-Württemberg zeigte sich „überrascht, dass das A380-Programm nach wie vor nicht stabilisiert ist.“ Er schätzt, dass Airbus wegen der Lieferverzögerungen beim A380 weitaus höhere Strafen als geplant an die Fluggesellschaften zahlen muss. Der größte Kunde ist Emirates mit 43 Maschinen.

Die Airbus-Krise schlägt sich auch in der Bestellbilanz nieder, die der Flugzeugbauer in Paris vorlegte. Airbus ist im Jahr 2006 erstmals seit fünf Jahren wieder hinter Boeing zurückgefallen. Während die Amerikaner 1044 Aufträge erhielten, standen bei den Europäern nur 824 Aufträge in den Büchern. Bei den Auslieferungen konnte Airbus seine Spitzenposition dagegen verteidigen. Im vergangenen Jahr gingen 434 Flugzeuge im Wert von 26 Milliarden Euro an die Kunden. Besonders gefragt waren erneut die Mittelstreckenflugzeuge der A320-Familie. Boeing lieferte im vergangenen Jahr nur 398 Flugzeuge aus. Airbus-Chef Gallois sagte, 2006 sei „trotz aller Turbulenzen ein herausragendes Jahr“ gewesen. Er zeigte sich zuversichtlich, im laufenden Jahr wieder einen Weltmarktanteil von 50 Prozent zu erreichen.

Auch Boeing triumphiert noch nicht, trotz der Probleme des Konkurrenten. „Wir gehen davon aus, dass 2007 ein gutes Jahr für die Luftfahrtindustrie wird – sowohl für Boeing als auch für Airbus“, sagte Randy Baseler, Vizepräsident für Marketing des US-Konzerns, bei einer Telefonkonferenz. Allerdings sei er wegen der neuerlichen Probleme bei Airbus überrascht, „auch wenn man in gewissem Sinne davon ausgehen konnte“.

Derweil geht die Diskussion über die künftige EADS-Aktionärsstruktur weiter. Die Zulieferfirmen in Berlin und Brandenburg beobachten den voraussichtlichen Einstieg von Niedersachsen und Bremen sehr genau. Wolf Schöde, Geschäftsführer des Branchenverbands Berlin Brandenburg Aerospace Alliance, dem Tagesspiegel, sagte, die beiden Länder dürften sich durch ihre Beteiligung keine Sonderrechte bei Standortfragen herausnehmen. „Es wurde sehr viel Energie in den Aufbau des dritten deutschen Luft- und Raumfahrtstandorts Berlin-Brandenburg gesteckt. Dieser Erfolg darf jetzt nicht zerstört werden.“ mit HB

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