Wirtschaft : Harte Zeiten, magere Verdienste

Die Löhne und Gehälter der Deutschen dürften 2004 um 1,8 Prozent steigen – das ist mehr als in vielen anderen Industrieländern

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Berlin (brö). Venezolaner müsste man sein. Nicht nur wegen des netten Wetters in Südamerika. Um sagenhafte 29 Prozent würde das Gehalt dann im kommenden Jahr zulegen – und steigende Gesundheitskosten, teures Benzin oder höhere Tabaksteuern hätten ihren Schrecken verloren. Doch Venezuela ist weit weg, und die Deutschen schneiden mal wieder nur mittelmäßig ab, wie es in einer neuen Studie der amerikanischen Unternehmensberatung Mercer Human Resource Consulting heißt. Bescheidene 2,6 Prozent mehr als in diesem Jahr werden die Beschäftigten 2004 in ihren Lohntüten vorfinden, haben die Fachleute ausgerechnet. International ist das eine ganz magere Summe.

Trotzdem sind die Deutschen nicht schlecht dran. Es geht ihnen sogar besser als den Venezolanern: Die werden vermutlich mit einer Inflation von 36,6 Prozent leben müssen, haben die Unternehmensberater ausgerechnet. Der Euro dürfte hingegen weitaus stabiler sein und die Geldentwertung in Deutschland damit nur bei 0,8 Prozent liegen – das bedeutet, dass den Deutschen am Ende immerhin ein VerdienstPlus von 1,8 Prozent bleibt. Wer in Venezuela sein Geld verdient, muss indes unterm Strich mit Einbußen von 7,7 Prozent rechnen.

Mittelmaß sind die Deutschen trotzdem – obwohl im kommenden Jahr der Aufschwung beginnen und die Arbeitslosigkeit ein wenig zurückgehen soll. In 40 von 63 Industrieländern, die Mercer unter die Lupe genommen hat, schwanken die Gehaltssteigerungen zwischen einem und 3,5 Prozent – real, also nach Abzug der Inflationsrate. Am besten schneidet dabei Indonesien ab, wo sich Arbeiter und Angestellte auf ein Lohnplus von 6,5 Prozent freuen dürfen. Auch Schwellenländer wie Bulgarien und Litauen (jeweils plus 5,1 Prozent) und Südkorea (plus 4,5 Prozent) lassen ihre Beschäftigen am steigenden Wohlstand teilhaben.

Deutlich bescheidener müssen die Arbeitnehmer in den reichsten Nationen sein. In Frankreich bekommen die Arbeitnehmer nur einen Aufschlag von 1,6 Prozent, ebenso in Spanien, und in der Schweiz sind es sogar nur 1,2 Prozent. Auch Großbritannien, eigentlich das Wirtschafts-Musterland Europas, schafft nur ein mageres Plus von 1,1 Prozent. Und in Amerika, wo die Wirtschaft gerade wieder zu einem kräftigen Wachstum ansetzt, werden die Leute voraussichtlich mit 1,3 Prozent mehr Verdienst abgespeist. „Die letzten Jahre waren für die Unternehmen in aller Welt sehr hart“, befand Mark Sullivan, Partner für Mercer in Europa. „Es besteht zwar ein gewisser Optimismus, dass sich die Wirtschaftslage verbessern wird, aber die Arbeitgeber möchten die Fixkosten begrenzt halten“, sagte er lapidar. Das ist wenig für einen Aufschwung – aber immerhin noch besser als Einkommensverluste wie in Venezuela.

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