Wirtschaft : Hartes Brötchen

Der italienische Pastakonzern Barilla hat bisher mit dem deutschen Großbäcker Kamps wenig Glück

Nils-Viktor Sorge

Düsseldorf - Den 120 Mitarbeitern in der Zentrale des Backkonzerns Kamps steht ein kleiner Kulturschock bevor. Noch sitzen sie morgens auf dem Weg zur Arbeit mit Leuten von Vodafone oder Ericsson in der Düsseldorfer U-Bahn. Doch das Unternehmen, Star des Börsenbooms der Jahrtausendwende, muss sparen und wird das edel verglaste Bürohaus an der Prinzenallee im Sommer verlassen. Die Chefetage zieht neben eine Kamps- Brotfabrik in Garrel im Landkreis Cloppenburg. Die neuen Nachbarn sind dann ein Kraftfutterwerk, eine Pflanzenöltankstelle und eine Betonfabrik. Wenn die Zentrale näher an der Produktion ist, werde vieles einfacher, sagt Kamps-Sprecherin Christina Stylianou. „Wir schnuppern in Zukunft Bäckerduft.“

Den Umzug in die Provinz tritt Kamps nicht freiwillig an. Die Mutterfirma Barilla macht Druck. Der Pastakonzern aus Parma gibt Kamps die vielleicht letzte Chance, aus einem deutsch-italienischen Missverständnis mit vielen roten Zahlen doch noch eine Erfolgsgeschichte zu machen. Seit Barilla den Bäcker 2002 für 1,8 Milliarden Euro kaufte und Gründer Heiner Kamps auszahlte, bereitete die Neuerwerbung ihren Eigentümern jede Menge Sorgen. „Dieses Etwas, das uns seinerzeit von Heiner Kamps verkauft wurde, war kein Unternehmen“, ereiferte sich Firmenchef Guido Barilla im vergangenen Jahr.

Das Netz aus 1200 Bäckerei-Filialen und die Supermarktbrotfabriken (Lieken, Golden Toast) hatten sich rasch als Sanierungsfall entpuppt. Die jährlichen Verluste beliefen sich anfangs auf dreistellige Millionenbeträge. Bis heute hat Barilla an Kamps nichts verdient. „In diesem Jahr wollen wir wieder Gewinn machen“, sagt Stylianou. Mittlerweile führt mit Wolfgang Keller der dritte Vorstandschef den Konzern, der sein Zahlenwerk nicht mehr veröffentlicht. Der Umsatz, so viel gibt Kamps preis, sank zwischen 2003 und 2005 von 1,6 Milliarden auf 1,2 Milliarden Euro. Gerüchte, er sei 2006 unter die Milliardengrenze gefallen, kommentiert das Unternehmen nicht.

Als eine Ursache für das Fiasko machen Konzern und Experten die Expansionslust von Heiner Kamps verantwortlich. Der Bäckersohn erwarb mithilfe von US-Investoren eine regionale Kette nach der anderen. „Er hat wahllos zugekauft, und die Börse hat ihm seine Story abgekauft“, sagt der Geschäftsführer des Verbandes des rheinischen Bäckerhandwerks, Walter Dohr. Entstanden sei ein Flickenteppich von Bäckereien in zum Teil schlechten Lagen. „Die Qualität des Filialnetzes ist das Entscheidende bei einer Bäckereikette, und im Fall von Kamps war es ziemlich kaputt“, sagt ein anderer Branchenkenner.

Der Pastakonzern verkaufte in den Kamps-Filialen anfangs auch Nudeln – die Kunden aber wollten Schrippen und Brot. Künftig wollen die Italiener noch konsequenter den Größenvorteil nutzen. Die Filialen sollen besser vernetzt und von noch weniger Großbäckereien zentral beliefert werden. Dieses Jahr schließt Kamps in Bonn einen weiteren Standort. Dann werden die knapp 1000 Backshops von gerademal sechs Fabriken beliefert. Experten halten die Entscheidung wegen der teils über hundert Kilometer langen Transportwege für falsch. „Da bekommt Kamps ein Frischeproblem“, sagt Dohr.

Kamps sieht sich derweil wieder auf dem Weg nach oben. Um 35 Filialen sei das Netz 2006 gewachsen, diese Größenordnung ist auch für dieses Jahr geplant. Probleme macht offenbar noch das Supermarktbrotgeschäft, wo Discounter mit Billigware die Margen verderben.

Für Unruhe sorgen in Düsseldorf immer wieder Gerüchte, Heiner Kamps könne seine alte Firma zum Schnäppchenpreis zurückkaufen. In der Zentrale will man davon nichts wissen. „Wenn Herr Kamps das will, heißt das noch lange nicht, dass wir es auch wollen“, sagt Sprecherin Stylianou. Barilla sehe das genauso. In der offiziellen Firmenchronik taucht der Gründer schon nicht mehr auf. Und seit längerem gebe es gar Überlegungen, der Kamps AG einen anderen Namen zu geben. Einen solchen Schritt „würde ich nicht ausschließen“, sagt Stylianou. Dies sei seit längerem ein Thema. Allerdings wäre nur der Konzern, nicht jedoch die Bäckerei-Filialen von der Umbenennung betroffen.

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