Hartmann : Reederei-Gruppe kauft in der Krise neue Schiffe

Die niedersächsische Reederei-Gruppe Hartmann, die mit 140 Schiffen zu den großen deutschen Konzernen in der Seeschifffahrt zählt, überrascht die von der Finanzkrise gebeutelte Branche mit einer Investition von mehr als 400 Millionen Dollar.

Eberhard Krummheuer (HB)

Düsseldorf -  Das bis Mitte des vergangenen Jahres als Atlas Reederei firmierende Unternehmen aus Leer in Ostfriesland hat nach eigenen Angaben sieben neue Schiffe bei der koreanischen Werft Hyundai Mipo bestellt.

Die weltweit tätige Unternehmensgruppe, die von internationalen Standorten aus das komplette maritime Transport- und Logistikgeschäft bedient, orderte zwei Containerschiffe mittlerer Größenordnungen, zwei Spezialtanker für Chemieprodukte sowie drei Gastanker. Während die Containerschiffe ins derzeit weithin vom Preisverfall unter Druck gebrachte Chartergeschäft gehen sollen, würden die Tankschiffe aus den eigenen Unternehmen mit Fracht versorgt, sagte Michael Hoppe, Finanzvorstand von Hartmann, dem Handelsblatt.

Die Gruppe beschäftigt 5300 Mitarbeiter. Zu Umsatz und Ergebnis macht das 1981 von dem Kapitän Alfred Hartmann gegründete Familienunternehmen, das heute von seinem Sohn Niels geführt wird, keine Angaben.

In der Schifffahrtsbranche löst vor allem die Bestellung der beiden Containerschiffe Überraschung aus. Nach allgemeiner Einschätzung drohen in diesem Transportgeschäft erhebliche Überkapazitäten, solange der Welthandel nicht wieder anspringt. Wie der Verband Deutscher Reeder (VDR) kürzlich mitteilte, sind vor allem die Chartermärkte für kleine und mittlere Schiffe erheblich eingebrochen – um bis zu 30 Prozent.

Die Investition von Hartmann sei vor diesem Hintergrund schon „außergewöhnlich“, kommentierte Burkhard Lemper, Professor am Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik an der Universität Bremen. Der Gruppe sei es offenbar gelungen, mit der Werft attraktive Preise auszuhandeln. Überrascht gab sich auch der Reederverband. Ein Investment in vergleichbarer Größenordnung sei derzeit von keinem anderen Mitgliedsunternehmen bekannt, heißt es.

Hartmann-Vorstand Hoppe ficht das nicht an. Ein Schiff sei etwa ein Vierteljahrhundert im Einsatz. Da komme es nicht darauf an, ob man jetzt oder in ein paar Monaten investiere, erklärte er. Investitionen in die Flotte aufzuschieben mache wenig Sinn. Sonst drohe in einigen Jahren eine Überalterung.

An der Beschaffungspolitik ändere auch die aktuelle Krise nichts: „Als eigentümergeführtes Unternehmen konnten wir aus dem Boom der letzten Jahre substanziell Rücklagen bilden“, sagte Hoppe. „Da wir nicht an der Börse gehandelt werden, müssen wir auch nicht von Jahr zu Jahr die Erträge steigern.“ Natürlich komme dem Unternehmen zugute, dass es breit in den Seeschifffahrtsmärkten aufgestellt sei.

Finanziert werde das Projekt über die NordLB, die, so Hoppe, „vorbildlich“ den Mittelbedarf in Millionenhöhe organisiert habe. „Alle reden von der Kreditklemme, wir haben nichts davon gespürt.“ Eberhard Krummheuer (HB)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben