Wirtschaft : Hartz IV trotz Vollzeitjob

Zahl der Aufstocker steigt in Berlin auf 128 000

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In Berlin können rund 34 000 Menschen trotz einer Vollzeitbeschäftigung nicht von ihrem Einkommen leben und müssen aufstockende Leistungen nach Hartz IV beantragen. Wie aus der jetzt veröffentlichten Antwort des Senats auf eine kleine Anfrage der FDP-Fraktion hervorgeht, bedeutet dies eine Zunahme um 3000 seit 2007. Insgesamt erhalten rund 128 000 erwerbstätige Menschen zusätzlich Arbeitslosengeld II. Der Senat bezieht sich bei seinen Angaben auf Daten der Regionaldirektion für Arbeit.

Knapp die Hälfte der Betroffenen hat dabei ein Erwerbseinkommen, das unter 400 Euro liegt. Rund 15 000 arbeiten in Jobs, bei denen sie sogar weniger als 100 Euro im Monat verdienen. In diesen Fällen der geringfügigen Beschäftigungen machen die staatlichen Leistungen einen weit größeren Anteil am Haushaltseinkommen aus als der Lohn. Besonders stark gestiegen ist auch die Zahl der Selbstständigen, die auf Unterstützung durch die Jobcenter angewiesen sind. Sie hat sich in den vergangenen drei Jahren mehr als verdoppelt und liegt jetzt bei knapp 20 000.

Für die FDP sind diese Zahlen ein Indiz für die „weiterhin katastrophale Lage“ auf dem Berliner Arbeitsmarkt. „In der Regel ergänzen also die Betroffenen nicht wie beabsichtigt ihr Erwerbseinkommen mit Hartz IV, stattdessen ergänzen sie ihre staatliche Grundsicherung mit geringfügiger Beschäftigung“, sagte der wirtschaftspolitische Sprecher der FDP-Fraktion im Abgeordnetenhaus, Volker Thiel.

In Berlin erhalten rund 320 000 sogenannte Bedarfsgemeinschaften Hartz-IVLeistungen. Sigrid Kneist

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