Wirtschaft : Harvard am Rhein

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Bundeskanzler Gerhard Schröder möchte Deutschlands einst so stolze Universitäten befähigen, künftig mit EliteSchmieden wie Harvard und Stanford zu konkurrieren. Klingt nach einer großartigen Idee. Doch dafür brauchen der deutsche Regierungschef und seine Parteigenossen dringend einen Crashkurs darüber, was diese amerikanischen Institutionen überhaupt so besonders macht. Schröders Bildungskonzept – das in der vergangenen Woche von der Parteispitze der Regierungskoalition abgesegnet wurde – sieht vor, dass die deutsche Regierung in den nächsten zehn Jahren mit mehr Geld und einer anderen staatlichen Lenkung zehn „Elite-Universitäten“ herausbildet.

Memo nach Berlin: Amerikas Universitäten sind groß und großartig, gerade weil die Regierung bei ihrem Betrieb eine sehr geringe oder gar keine Rolle spielt.

Die meisten amerikanischen Schulen, nicht nur die Eliteuniversitäten, sind Privateinrichtungen, die durch gut verwaltete Stiftungsgelder und großzügige Absolventen, die sich gern an ihre College-Jahre erinnern, finanziert werden. Doch selbst die großen staatlichen Schulen werden häufig wie Privatuniversitäten geführt – mit geringer politischer Einflussnahme nämlich. So bleiben Amerikas Eliteinstitutionen flexibel und wettbewerbsfähig. Leider werden selbst Europas renommierteste Universitäten so bürokratisch geführt wie der öffentliche Dienst.

Die deutsche Regierung wird deshalb gründlich darüber nachdenken müssen, auf welche Weise die Hochschulen des Landes wieder internationales Spitzenniveau erlangen können. Dennoch ist Gerhard Schröder ein lobenswertes Wagnis eingegangen, als er dieses Problem offen ansprach. Mit der Verwendung des Wortes „Elite" beleidigte er in seiner eigenen Partei nicht wenige Hinterbänkler mit egalitären Ambitionen. Und auch hier bietet Amerika eine Lektion: Die US-Elite-Universitäten wetteifern in aller Welt um die besten Studenten und Lehrkräfte. Dabei gilt das Augenmerk den besonderen Fähigkeiten der Bewerber. Das erklärt, warum Bildung und Forschung so gut sind. Elitär ist daran gar nichts.

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