Hasso Plattner Ventures : Mehr Leidenschaft

Beim achten Forum der Risikokapitalgesellschaft in Potsdam diskutieren Unternehmer und Geldgeber und andere prominente Gäste über erfolgreiche Geschäftsideen. Passion war dabei das Leitthema.

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Fördern junge Unternehmer mit Leidenschaft (von linke): Fernando Burgos von Telefónica, Eran Davidson, Geschäftsführer von Hasso...

Warum kommt eigentlich keine der großen Internet- und Computerfirmen aus Deutschland? Peter Thiel hat eine doppelte Erklärung. „Es ist die Angst zu scheitern, das ist die konventionelle Antwort“, sagt der deutschstämmige Investor aus dem Silicon Valley. „Die andere ist: Die Leute haben Angst vor dem Erfolg.“ Was erfolgreiche Unternehmen wie Google, Facebook oder Apple ausmacht, diskutierten Thiel und rund 260 weitere internationale Gäste am Mittwoch auf dem achten „Hasso Plattner Ventures Forum on Entrepreneurship“ in Potsdam. „Passion“, Leidenschaft, war diesmal das Thema. Denn Eran Davidson, der die Wagniskapitalgesellschaft Hasso Plattner Ventures (HPV) seit 2005 leitet, ist überzeugt, dass Leidenschaft für einen Unternehmer unerlässlich ist. „Nichts Großes in der Welt geschieht ohne Leidenschaft“, zitiert Davidson den Philosophen Hegel. 150 Millionen Euro stehen dem Venture-Fonds zur Verfügung, der Großteil der Summe kommt von Hasso Plattner, Mitgründer und Aufsichtsratschef der Softwarefirma SAP. In 20 Start-ups hat der Fonds schon investiert.

Seine Leidenschaft für Computer kann Hasso Plattner nicht verbergen. Fast wütend reagiert er auf den Moderator, der bei der Vorstellung sagt, Plattner sei 2003 in den Ruhestand gegangen. Das sei nicht der Fall. „Ich habe mich intensiv auf die Entwicklung von Software konzentriert“, erklärt Plattner. Hana ist ein Ergebnis davon. Hana ist eine Technik, mit der sich riesige Datenmengen in Echtzeit analysieren lassen. Das wiederum verändert Geschäftsprozesse radikal. Für Analysen großer Datenmengen, die früher Tage dauerten, sind jetzt nur noch Sekunden nötig. „Geschwindigkeit ist wichtig“, sagt Plattner, auch wenn sie allein natürlich nicht ausreiche. Acht Sekunden, das sei die maximale Zeit, die Menschen bereit seien zu warten, wenn sie zum Beispiel eine Anwendung auf ihrem Smartphone starten. Wenn Datenanalyse in Unternehmen nun weniger Zeit brauche, hätten die Manager wiederum mehr Zeit, sich mit den Wünschen ihrer Kunden zu beschäftigen. „Folgt nicht den Fußstapfen der alten Unternehmen“, sagt Plattner zu den künftigen Unternehmern im Publikum. Er selbst habe diesen Fehler früher bei SAP gemacht. „Wir haben nicht verstanden, was unsere Kunden wollten, aber wir haben ihnen eine Lösung gebaut.“ Sein Rat an die jungen Gründer: „Zuhören und verstehen, was der Kunde will.“

Am Nachmittag haben neun Gründer die Chance, ihre Geschäftskonzepte vorzustellen. Darunter ist eine Fitness-Anwendung, mit deren Hilfe das Smartphone anzeigt, ob eine Übung richtig ausgeführt wird, oder eine Anwendung, die den Prozess der Rechnungsstellung vollständig digitalisiert. Am Ende gewinnt Snap2Life mit einer Bilderkennungssoftware. Über Bilder aus der realen Welt lassen sich damit verbundene Inhalte im Internet finden. 10 000 Euro gibt es für das Siegerteam.

Peter Thiel, Mitte 40, hat schon viele Geschäftskonzepte geprüft. Er selbst hat den Bezahldienst Paypal gegründet und war einer der ersten Geldgeber für Facebook. Gerade hat er Aktien des Online-Netzwerks für 400 Millionen Dollar verkauft. Um seine Theorie vom fehlenden Mut zum Erfolg zu untermauern, erzählt er von 2006. Damals war Facebook gerade zwei Jahre alt und Yahoo bot eine Milliarde Dollar für das Unternehmen, das 30 bis 40 Millionen Dollar Umsatz machte, aber keinen Gewinn. „Wie viele Menschen kennen Sie, die so ein Angebot abgelehnt hätten?“ Aber genau das tat Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, obwohl Thiel mehr als sechs Stunden versuchte ihm schmackhaft zu machen, was der damals 22-Jährige mit seinem Anteil von rund 250 Millionen Dollar alles tun könnte. „Er wollte ein soziales Netzwerk entwickeln und das hatte er ja schon“, berichtet Thiel. Zuckerberg habe eine klare Vorstellung gehabt, wo er mit Facebook noch hin wollte. „Erfolgreiche Unternehmer sind die, die ihr Geschäft langfristig anlegen und vorausdenken, es sind die, die wissen wie die Welt in zehn Jahren aussieht.“ Apple sei so ein Beispiel gewesen, sagt Thiel. Warum er bei Facebook ausgestiegen ist, sagt er nicht.

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