Wirtschaft : Hauen und Stechen um Rußlandkredite

BONN (egl/mak/HB).Auf Deutschland, den größten westlichen Gläubiger Rußlands und der ehemaligen Sowjetunion, verstärkt sich der Druck zu einem weitgehenden Schuldenerlaß.Zur Verärgerung Bonns sind offensichtlich hohe US-Regierungsvertreter am Vorabend kritischer neuer Umschuldungsrunden dabei, die Weichen für die Streichung von Altschulden der ehemaligen Sowjetunion gegenüber dem Pariser Club der westlichen Gläubigerstaaten zu stellen.Das sickerte aus russischen Quellen nach dem Moskau-Besuch der stellvertretenden Außen- und Finanzminister der USA, Strobe Talbott und Lawrence H.Summers durch.

Unter den westlichen Gläubigern ist ein Hauen und Stechen um die nach dem Rubel-Debakel für den Schuldendienst der nächsten Jahre verbleibenden Devisenvorräte im Gang.Die russische Zentralbank hat bestätigt, daß die Gold- und Devisenreserven im vergangenen Jahr wegen der Finanzkrise um 20 Prozent auf nur noch 12,2 Mrd.Dollar geschrumpft sind.Seit Ausbruch der Finanzkrise hat der Rubel gegenüber dem Dollar mehr als 70 Prozent seines Wertes verloren.

Die USA drängen darauf, daß Rußland in den kommenden Jahren mit Vorrang seine beim IWF und der Weltbank aufgenommenen Kredite sowie die Auslandsanleihen bedient.Die Bedienung von Altschulden der früheren Sowjetunion solle danach rangieren.Die USA haben praktisch keine Altkredite gegenüber der früheren Sowjetunion.

Mit 25 Mrd.DM entfällt die Hälfte der im Pariser Club langfrstig umgeschuldeten Altkredite auf Deutschland.Das finanzielle Risiko der Bundesrepublik gegenüber Rußland hat sich nach 1992 um weitere 30 Mrd.DM erhöht.Statt der für den Schuldendienst - also für Zinsen und Tilgungen - erforderlichen 17,5 Mrd.Dollar kann Moskau 1999 allenfalls neun Mrd.Dollar aufbringen.Wie sich die Zahlungskrise zuspitzt, zeigt die Tatsache, daß Rußland seit Ende letzten Jahres gegenüber den im Londoner Club zusammengeschlossen westlichen Banken in Verzug geraten ist.Eine fällige Zinszahlung von 362 Mill.Dollar auf umgeschuldete Altkredite an die Sowjetunion konnte Rußland nicht leisten.

Die russische Regierung strebt nun eine Umschuldung der 1999 fälligen Zins- und Tilgungszahlungen auf die Altschulden der ehemaligen Sowjetunion gegenüber dem Pariser Club der Gläubigerstaaten (4,5 Mrd.Dollar) und dem Londoner Club der Gläubigerbanken (1,9 Mrd.Dollar) an.Bei staatlichen Auslandsschulden von derzeit insgesamt 145 Mrd.Dollar belaufe sich der durchschnittliche jährliche Schuldendienst in den kommenden zehn Jahren auf jeweils 15 Mrd.Dollar.Ein Drittel des Auslandschuldendienstes müsse die russische Regierung in den kommenden drei Jahren allein an internationale Organisationen wie den IWF und die Weltbank entrichten.Das sind knapp fünf Mrd.Dollar pro Jahr.

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