Wirtschaft : Hauptsache schön

Das Design spielt bei Elektrogeräten eine immer größere Rolle

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Tolles Bild, satter Sound, einfache Bedienung – was braucht ein Fernsehgerät mehr? Viel mehr, meint Andrej Kupetz. „Funktionalität allein reicht heute nicht mehr aus“, sagt der Geschäftsführer des Rats für Formgebung. „Gerade der Fernseher ist so präsent in der Wohnung, dass er ästhetisch aussehen muss. Ein Gerät muss in einen Raum integrierbar sein.“

Oder gleich in die Möbel. Philips baut seine Fernseher und CDPlayer neuerdings auch in Betten und Sofas des italienischen Herstellers Cappellini ein. Ohnehin setzen die Niederländer sehr auf Design. 450 Mitarbeiter beschäftigen sich nur mit der Gestaltung der Produkte. „Wir setzen uns mit den Mitarbeitern der Produktsparten zusammen und überlegen: Was wollen wir machen, was brauchen wir dazu?“, erklärt Annemieke Fröger von Philips Design. Um ein einheitliches Unternehmensbild zu gewährleisten, gibt es Designrichtlinien, die jedoch streng geheim sind.

Bekannt ist dagegen, dass ein guter Designer von Elektronikgeräten genau wissen muss, wie seine Zielgruppe lebt, wie die Wohnungen eingerichtet sind. Das wird zunehmend schwieriger, weil es keinen Massenmarkt mehr gibt, sondern sehr viele verschiedene Geschmäcker. Deswegen beschäftigen Firmen Wissenschaftler, die die Trends und Vorlieben der Verbraucher erforschen sollen. „Es bringt aber nichts, nur den vermeintlichen Bedürfnissen der Kunden hinterherzurennen“, sagt Kupetz. Schließlich präsentiert sich eine Marke über das Design, zeigt ihre Identität.

Im besonderen Maß gilt das für Hersteller von High-End-Produkten wie Bang & Olufsen oder Loewe. „Gerade Luxusgeräte sollten nicht zu modisch sein, damit die Menschen sie auch in ein paar Jahren noch gern ansehen“, sagt Kupetz. „Deswegen sind solche Produkte meist klassisch-schlicht und zeitlos gestaltet, in einfachen Formen und Farben.“ Je niedriger also der Preis eines Produkts ist, desto modischer und auf kurzfristige Trends setzend ist für gewöhnlich sein Design.

Doch es geht dabei nicht nur um die Gestaltung des Gehäuses, vielmehr muss das Design einen unproblematischen Zugang zur Technik ermöglichen. „Manche Geräte haben so viele Knöpfe, die kein Mensch braucht. Ich zum Beispiel benutze höchstens drei Funktionen meines Handys“, sagt Kupetz. „Langfristig müssen die Produkte viel stärker vereinfacht werden.“ chh

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