Wirtschaft : Hauptstadt der Arbeitslosen

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Von Alfons Frese

Die Arbeitslosen werden Rolf Seutemann beim Wort nehmen. Denn der Chef der Regionaldirektion BerlinBrandenburg der Bundesagentur für Arbeit – früher hieß das Landesarbeitsamt – verspricht eine Menge: Bis Ende des Jahres sollen die Arbeitsagenturen so umgekrempelt sein, dass ein Angestellter nur noch 75 Arbeitslose betreut. Gegenwärtig liegt das Verhältnis eins zu 350, vor zwei Jahren kamen sogar 850 Arbeit Suchende auf einen Arbeitsamtsangestellten – eine Betreuung, die diese Bezeichnung verdient, war unmöglich. Seitdem hat offenbar die Krise der Nürnberger Bundesanstalt und die Arbeit der Hartz-Kommisson einen Schub nach vorne gebracht. Bei aller Kritik am obersten Agenturchef Florian Gerster und seinem großzügigen Ausgabeverhalten: wenn bis Ende des Jahres tatsächlich bundesweit eine Quote von eins zu 75 erreicht wird, dann haben sich womöglich selbst die vielen Millionen für die Berater gerechnet.

Die Agenturen entwickeln sich zu Dienstleistern für Arbeit Suchende und Arbeitgeber, indem Abläufe entschlackt, Personal effizienter eingesetzt und die Arbeitslosen wirklich individuell betreut werden. Nur auf diesem Weg kann die Vermittlungsquote steigen. Und gleichzeitig fallen diejenigen aus dem Kundenkreis der Arbeitsagenturen, die – aus welchen Gründen auch immer – nicht wirklich vermittelt werden wollen. Denn wer sich nicht mehr in der anonymen Masse verstecken kann, der hat ein Problem. Das hat bereits das vergangene Jahr gezeigt, als sich in Berlin und Brandenburg mehr als 420000 Arbeitslose bei den Arbeitsämtern abmeldeten, ohne einen Job bekommen zu haben. Alles in allem werden die Arbeitsagenturen besser – der Arbeitsmarkt aber nicht. Berlin bleibt die deutsche Arbeitslosenmetropole, weil das Wachstum auch in diesem Jahr weit unter dem Bundesdurchschnitt liegt. 2004 ist für Berlin ein Jahr des Übergangs. Wir hoffen auf 2005.

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