Hauptversammlung : Aufstand bei Pixelpark

"Kein Schwein kriegt mit, was Pixelpark tut." - die Aktionäre fordern mehr Transparenz vom Vorstand der Berliner Multimediaagentur.

Corinna Visser
Riese Foto: pa/dpa
Michael Riese, Pixelpark-Chef -Foto: pa/dpa

Berlin„Hier ist einiges im Argen“, sagt Reinhold Rombach. Ohrfeigen seien zu verteilen. „Das haben die auch verdient“, konstatiert der Vermögensverwalter auf der Hauptversammlung von Pixelpark am Donnerstag in Berlin. Seine Kritik richtet sich gegen Vorstand und Aufsichtsrat der Berliner Multimediaagentur. Bei den fünf Herren der beiden Gremien und den Aktionären hatte er für Aufregung gesorgt. Denn während der Versammlung stellte sich heraus, dass der Kölner Vermögensverwalter mehrere Gruppen privater Investoren vertritt, die zusammen knapp 30 Prozent der Anteile halten. Damit haben seine Worte Gewicht.

Ziel der von Rombach vertretenen Aktionäre sei es, „Pixelpark wieder fulminant nach oben zu bringen“. Das sei nur möglich, wenn sich einiges im Management und Aufsichtsrat ändere. Das Unternehmen habe exzellente Zukunftsaussichten. Allerdings bedürfe Vorstandschef Michael Riese der Führung – und daher empfiehlt Rombach den Aktionären zwei neue Kandidaten zur Wahl in den Aufsichtsrat. Auch andere Aktionäre machen Wahlvorschläge. Am Ende wählen die Anteilseigner Wolf-Dieter Gramatke und Horst Heemann erneut in das Gremium. Hinzu kommt Rombachs Vorschlag Martin Lindenthal, ein Werber aus Köln.

Heftige Kritik kam auch von anderen Aktionärsvertretern. Kai Weigert von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger fand es ärgerlich, dass zwar gute Arbeit im Unternehmen geleistet werde, aber es niemand wahrnehme. „Kein Schwein kriegt mit, was Pixelpark tut“, sagte er. „Das Unternehmen ist zu unübersichtlich aufgestellt.“ Ihm sei unverständlich, wie ein in der Kommunikation tätiges Unternehmen so ungeschickt handeln könne. Die Kritik von Malte Diesselhorst von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz klang ähnlich. Er forderte mehr Transparenz, um den Kapitalmarkt zu überzeugen, dass Pixelpark ein lohnendes Investment sei. Die Kursentwicklung – vor einem Jahr kostete die Aktie 1,44 Euro, jetzt 58 Cent – nannte er traurig.

Charakteristisch für die intransparente Strategie sei das Hin und Her über einen möglichen Verkauf des größten Unternehmensteils, der Kommunikationssparte. Mitte Mai hatte Pixelpark Verkaufsverhandlungen mit einem global agierenden Unternehmen begonnen. Am Dienstag teilte der Vorstand mit, er habe die Verhandlungen abgebrochen und das Angebot abgelehnt. Damit ist auch der Umzug des Unternehmens von Berlin nach Hamburg vom Tisch.

„Ich bedaure, dass die operative Entwicklung nicht adäquat im Aktienkurs wiedergegeben wird“, hob Pixelpark- Chef Riese hervor. Künftig werde sich Pixelpark stärker im Markt für internetbasierte Systemlösungen engagieren. Statt Zukäufen stünden nun organisches Wachstum und die Steigerung der Profitabilität auf dem Programm. C. Visser

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